Zu singen begann die Frau am Klavier ihrer musikalisch für die Kirche aktiven Oma. Und wie es sich für einen typischen amerikanischen Popstar-Werdegang seit vielen, vielen Generationen gehört, wurden erste karrierefördernde Maßnahmen bereits im Volksschulalter ergriffen.

Aus dem Hintergrund in die erste Reihe: Tayla Parx. - © Madeleine Dalla
Aus dem Hintergrund in die erste Reihe: Tayla Parx. - © Madeleine Dalla

Die 1993 in Dallas als Taylor Monet Parks geborene und heute unter dem Alias Tayla Parx aktive Songwriterin startete mit einer klassischen Tanzausbildung, wurde rasch aber für das Bewegtbild entdeckt und wechselte ohne Vorkenntnisse ins Schauspielfach. Auftritte und Rollen in Serien wie "Gilmore Girls", "Alle hassen Chris" und "True Jackson" sowie im Alter von 13 Jahren in der Musicalverfilmung "Hairspray" in der Regie von Adam Shankman sind zu nennen.

Geschickte Geschäftsfrau

Für ihre eigentliche Bestimmung als Songwriterin aber zog Tayla Parx im Jahr 2007 in die Entertainment- und Blingbling-Metropole Los Angeles, wo sie unter Mithilfe des Sängers und Produzenten Babyface erfolgreich Kontakte in die Industrie knüpfen konnte und schließlich im Jahr 2013 vom Musikmajor Warner unter Vertrag genommen wurde. Seither hat die Frau nicht nur am Fließband für zahlreiche K-Pop-Acts wie BTS oder den modelnden chinesischen Sänger Tao geschrieben. Gerade auch herüben im Westen ist ihr mit Writing-Credits für Namen wie Mariah Carey, Jennifer Lopez, Alicia Keys, Chris Brown, Christina Aguilera, Rihanna, Janelle Monáe oder Anderson .Paak, mit dem sie sich aktuell auch auf Tournee befindet (und in dessen Vorprogramm sie gerade erst in Wien zu erleben war) ein erstaunlicher Karriereauftakt gelungen.

Als Höhepunkt ihres Werdegangs bisher gilt das Jahr 2018 mit gleich vier als Co-Autorin mitverantworteten Songs in den Top 10 der US-Singlecharts, darunter "7 Rings" und das durchaus auch als Arbeitsmotto von Frau Parx lesbare "Thank U, Next" von Ariana Grande. Selbst wenn die schwedische Allzweckwaffe Max Martin wieder einmal die halben Charts im Alleingang verantworten sollte, ein wenig Platz für die Konkurrenz bleibt dann doch.

In allfälligen Interviews erlebt man Tayla Parx als ebenso sympathische Person wie geschickte Geschäftsfrau, die sehr genau weiß, was ihr jeweiliger Auftraggeber benötigt. Ob das diesbezügliche Know-how ohne Außenblick auch auf die Arbeit unter eigenem Namen übertragbar ist, kann die geneigte Hörerschaft jetzt überprüfen. Immerhin konnte die Musikerin ihre Plattenfirma mit den erwähnten Charts-Argumenten ($$$) dazu motivieren, ihr beim Schritt in die erste Reihe zu helfen.

Das nun vorliegende Debütalbum heißt "We Need To Talk". Man kennt seinen Titel aus dem echten Leben, wo man ihn allerdings eher nicht hören will, weil er selten Gutes verheißt.

Alles ist sehr professionell

Folgerichtig geht es neben der einen oder anderen Standortvermessung in Geschlechterfragen ("Slow Dancing", "Tomboys Have Feelings Too") nicht nur in den dramatisch balladistischen Momenten um die Folgen der alten Boy-meets-Girl-Geschichte, die Tayla Parx gelegentlich auch mit eigenwilligem Humor aufbricht: "I know you’re fucking around on me. But it’s cool". Es folgt eine dramaturgische Pause - und schließlich der Nachsatz: "Cause I’ll be doing dirt too."

Gereicht werden fünfzehn Songs, die sich die Zielgruppe aus Gründen der Aufmerksamkeitsspanne definitiv nicht am Stück anhören wird, weshalb die einzelnen Nummern mit einer Spielzeit von kaum je drei Minuten auch ziemlich knapp ausfallen. Im Mix aus Neo-R&B-Elementen und mitsingtauglichen Pop-Refrains klingt das zwar alles sehr professionell. Dafür erlebt man bei exakt keinem Alleinstellungsmerkmal aber vor allem den sterilen Gleichklang der Mainstreamcharts im nächsten Aufguss. Dazwischen ist der wippende und kippende Gummisoul von "Disconnected" in akustischer Nähe zum crazy Bilderbuch-Sound zwar grundsätzlich interessant, nach 77 Sekunden aber schon wieder vorbei.

Auch wenn das Potenzial erkennbar bleibt, ist der Albumtitel am Ende stimmig. Wir müssen reden.