Wie war das damals in Denver, in Ihrer eigenen Kindheit?

Ich war in der Junior High School, als ich mir wirklich bewusst wurde, worum es in der Bürgerrechtsbewegung ging. Es war der Beginn des sogenannten Bussings in den USA, der Versuch der Integration. Mit der Vision von einem besseren Verständnis füreinander wurden Kinder aus schwarzen Schulen mit Bussen in weiße Gegenden gefahren und umgekehrt. Ich war eines davon. Plötzlich saß ich in einem Bus und kam in eine fremde Schule, fast eine Stunde von zu Hause entfernt. Ich verstand, dass ich Teil eines Experiments war. Aber das, was uns über all die Unterschiede verband, war die Kunst. Wir lernten Dichter kennen, von den großen afro-amerikanischen Poeten bis hin zu Pablo Neruda.

Hat dieses Experiment aus Ihrer Sicht funktioniert?

Es fing sehr gut an, aber jetzt sind wir wieder da, wo wir zu Beginn waren. Aber ich habe aus dieser Zeit die Erinnerung an die Energie des gemeinsamen Aufbruchs und Ziels.

Sie haben einmal gesagt, dass die Bühne für Sie wie ein heiliger Ort ist. Warum?

Ja, ich nenne die Bühne meinen heiligen Raum. Ich empfinde dort keine Einschränkungen. Auch wenn ich harte Zeiten habe, die ich durchstehen muss, wenn ich auf die Bühne gehe, ändert sich sofort alles für mich. Es ist, als flöge ich. Alles, was ich fühle, offenbare ich dann. Die Musik ist wie ein Schutzschild, obwohl ich vorher total nervös bin. Mir geht es darum, dass das, was ich singe, ehrlich klingt. Das ist das Wichtigste für mich an der Musik: Ehrlichkeit. Gleichzeitig versuche ich, die spezielle Magie einer jeden Nacht zu entdecken.

Stimmt es, dass Ihr Onkel, der Bassist Charles Burrell, der erste afroamerikanische Musiker des Symphonieorchesters von San Francisco war?

Ja, er spielte mehr als 40 Jahre dort. Aber er war auch Jazzbassist und schenkte mir Jazzplatten. Zwei davon habe ich besonders geliebt, nämlich Sarah Vaughan mit Clifford Brown und Vaughan mit Michel Legrand. Sie haben mein Leben verändert. Ich hörte sie immer und immer wieder. Es war eine Art Erweckungserlebnis. An ihr bin ich gewachsen. Ich fing an, Instrumentalisten aufmerksamer zu hören, was Klangfarben und Tempowechsel betrifft. Deshalb widmete ich ihr mein Album "The Calling: Celebrating Sarah Vaughan". Es hat mich besonders gefreut, dass ich dafür mit einem Grammy belohnt wurde.

In George Clooneys elegantem Schwarzweißfilm "Good Night, and Good Luck", dem Porträt des aufrechten Rundfunkjournalismus aus der McCarthy-Ära, spielt Jazz eine wichtige Rolle. Sie treten in einem typischen Studio der 50er Jahre auf und singen. Wie waren die Dreharbeiten mit ihm?