Do-it-yourself-Ethos: Robert Wolf ist The Good Force. - © Hannah Wildner
Do-it-yourself-Ethos: Robert Wolf ist The Good Force. - © Hannah Wildner

Den Spaß, den es macht, durch Musik an alte Videospiele erinnert zu werden, können wahrscheinlich nur Prä-Digital-Natives nachvollziehen. Robert Wolf, Jahrgang 1953, kann es auf jeden Fall. Und es ist keineswegs Zufall, wenn bei seinem Projekt The Good Force öfters einmal Echos aus Super Mario & Co. nachhallen. Sie stachen schon auf der ersten The-Good-Force-LP, "Hørproben" von 2017, prominent hervor; und sie tun es nun auch auf dem zweiten Album, "A Saucerful Of Anti-Matter" - so etwa gleich im fulminanten Auftakt "Me Too I Hide From You".

"Ich stehe auf alle Arten elektronischer Musik. Die Musik von Spielautomaten, aus den Flipperhallen, Bands wie Kraftwerk, Neu!, Cluster, aber auch Munich Disco wie Giorgio Moroder oder Frank Farian. Das alles fließt, stärker noch als auf der ersten Platte, bei ,A Saucerful Of Anti-Matter‘ ein", erklärt der Musiker und mittlerweile pensionierte Post-Bedienstete im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Robert Wolf hat als Sänger, Gitarrist und Texter des Quartetts Chuzpe Österreich mit Punk und, über die erfolgreiche Coverversion von "Love Will Tear Us Apart", auch mit Joy Division bekannt gemacht. Mit der LP "1000 Takte Tanz" hat Chuzpe in den frühen 80er Jahren eines der ultimativen Statements aus heimischer Produktion geliefert. Diesen historischen Meriten ist im wahrsten Wortsinn nichts hinzuzufügen, obwohl Wolf findet, dass die Band nicht die gebührende Anerkennung erfahren habe.

"Chuzpe hatte immer ein schwieriges Standing - auch wegen mir als ,dem Postler‘. Bilgeri war ,Der Rockprofessor‘, ebenso Stefan Weber. Falco war ,Der Hölzel-Hansi‘. Man hat immer geschaut, dass man die Leute klein macht: ,der Danzer-Schurli‘, ,der Ambros-Wolferl‘. Deshalb gefällt mir an Bilderbuch sehr gut, dass die sagen, wir sind Stars und was Besseres, weil wir Kunst machen."

Ob es von Chuzpe nach "Vor 100 Tausend Jahren" (2014) je wieder eine neue Platte geben wird, ist ungewiss. "Das hängt von den anderen ab", erklärt Wolf. "Wenn, dann kann das nur der Kern machen, der von ,1000 Takte Tanz‘ übergeblieben ist: Andi Kolm, Stephan Wildner und ich. Ich allein aber werde sicher keine Platte als Chuzpe machen." Für seine Alleingänge ist eben The Good Force da: Hier schupft Wolf alles selbst, von den instrumentalen Agenden bis zur Produktion. "Wobei", räumt er ein, "man schon merkt, dass ich nicht die Erfahrung eines ausgefuchsten Tontechnikers habe. Aber das ist eben das Do-it-yourself-Ethos, das ich mir aus der Punk-Zeit erhalten habe: Hauptsache, es klingt für die eigenen Ohren gut - das kann ruhig Ecken und Kanten haben."

Der Titel der neuen Platte paraphrasiert natürlich das archetypische Pink-Floyd-nach-Syd-Barrett-Album "A Saucerful Of Secrets", aber auch Cavern Of Anti-Matter, ein ziemlich stark von Krautrock-Bands wie Neu! beeinflusstes Trio aus dem Stereolab-Umfeld. Die Titel sind diesmal mit Ausnahme von "Der Auslaufmodell" (sic!) alle englisch und teilweise recht witzig: Etwa "Cyborg Girls Have Electric Curls", "Bionic Reconstruction Shuffle", "Melodies For Enemies" oder "Sketches Of Matzah Island", was einfach die Mazzesinsel im zweiten Bezirk bezeichnet, wo Wolf aufgewachsen ist.

Aufsässige Gitarren

Ein inhaltliches Statement ist damit nicht gemacht, denn die Platte ist größtenteils instrumental. In den einzigen zwei (von zehn) Stücken mit Text - "Der Auslaufmodell" (sic!) und der mitreißende, von einer aufsässigen Gitarre interpunktierte Titelsong - tut dieser kaum mehr als den Titel zu rezitieren.

"Ich habe schon bei der letzten LP konstatiert, dass ich angesichts dessen, worauf die Welt zusteuert, ein bisschen schmähstad geworden bin", kommentiert Wolf seine Sprachlosigkeit. "Andererseits gibt es mittlerweile in Österreich junge Musiker, die Inhalte viel besser auf den Punkt bringen, als ich das könnte. Denn vom Denken her bin ich - ohne vergreist zu sein - ja doch alt. Es ist nicht so, dass ich das Gefühl habe, der Jugend etwas sagen zu müssen. Und meiner Generation habe ich schon alles gesagt, was zu sagen war."

Abtreten ist freilich noch keine Option: "Solange ich halbwegs wachen Geistes bin, solange mir etwas einfällt, das jemanden interessieren könnte, solange mache ich das. Und so viel Selbstreflexion habe ich schon, zu wissen, wann man besser aufhört."