Die Fat White Family gilt Zeit ihres Bestehens als Paradebeispiel für das längst überholt geglaubte Klischee von "Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll". Die für ihre Drogen- und Alkohol-Eskapaden bekannte Band aus Südlondon versteht eine provokant-polarisierende Inszenierung immer als wichtigen Teil ihrer Kunst.

Mit "Serfs Up!" hat das wechselnd besetzte Septett nun nach "Champagne Holocaust" und "Songs For Our Mothers" sein drittes Album veröffentlicht. Es überrascht in seiner Verknüpfung von Pop-Perfektion und experimenteller Soundtüftelei.

Ließ es die Band auf ihrem Debüt noch zwischen (Post-)Punk und (Garagen-)Rock so richtig krachen - und stand danach die düster-laszive Grundierung im Zentrum ihres Rockentwurfs -, so hört man heute einen virtuosen Genre-Mix aus Psychedelic-, Garagen-, Glam- und Surfrock, gregorianischen und Beach Boys-Chören, monotonen Elektrobeats und tanzbaren New-Wave-Klängen mit ausgeklügelten Arrangements und vielstimmiger Instrumentierung: Streicher, Synthesizer und Saxofon bereichern das auf Pop-Appeal gebuchte Klangbild.

Unter der musikalischen Oberfläche schlummert aber weiterhin die auf aufrichtigen Stolz und brachiales Rabaukentum gebaute Anti-Haltung der Musiker, die mit ungestümer Leidenschaft wider den Stachel des neoliberalen Turbokapitalismus löcken.

Die Band um Sänger Lias Saoudi und Saul Adamczewski an der Gitarre (das wegen Drogenproblemen kurzzeitig aus der Band geworfene Enfant terrible kehrte nach seinem Heroin-Entzug rechtzeitig für die Produktion des neuen Albums in den Bandalltag zurück) hat mit "Serfs Up!" ein gleichzeitig exzentrisches wie auch einnehmendes Meisterwerk abgeliefert. Am eindrucksvollsten nachzuhören im tanzbaren Elektropop des Auftaktsongs "Feet", im stimmig Westcoast-Klänge und Artpop-Sounds verknüpfenden "Vagina Dentata", im mit pumpenden Bässen und akzentuierten Synthesizer-Klängen an Depeche Mode erinnernden "Fringe Runner" sowie im geschmeidigen "Tastes Good With The Money".