So traurig schaut Lizzo normalerweise gar nicht: Die Rapperin ist eine Frohnatur und ihrer Musik hört man das auch an. - © WMG
So traurig schaut Lizzo normalerweise gar nicht: Die Rapperin ist eine Frohnatur und ihrer Musik hört man das auch an. - © WMG

Es kann eigentlich nie schaden, wenn man seine Querflöte mit dabei hat. Das würde jedenfalls US-Rapperin und Sängerin Lizzo unterschreiben. Sie trat kürzlich beim gehypten Coachella-Festival in Kalifornien auf, wurde aber von misslicher Tontechnik geplagt. Da ließ sie sich ihre Querflöte reichen und spielte sich die Begleitung zu ihrem aktuellen Hit "Juice" einfach selbst. Den Chor dazu gab eh ihr Publikum, das nach dieser Übung in kreativer Spontaneität noch heftiger für den Shootingstar entbrannte.

"Wenn die die Musik nicht richtig hinkriegen, dann mach ich die Musik eben selber. Wozu hab ich das denn studiert?", sagte Lizzo auf der Festivalbühne. Dieser akademische Hintergrund unterscheidet sie von den beiden anderen Pop-Frauen, die die Popmusik-Schlagzeilen zur Coachella-Saison dominierten: Madonna, weil sie ein neues Album angekündigt hat, und Beyoncé, weil sie (unabsichtlich wahrscheinlich) Madonna in den Staub stieß, indem sie die einschlägige Aufmerksamkeit mit einer neuen Musik-Doku gleich wieder abzog.

Mehr Kilos als Beyoncé

Aber nicht nur ihre klassische Ausbildung - sie spielte auch mit Hingabe in Marching Bands, der US-amerikanischen Variante der örtlichen Blasmusikkapelle - hebt sich ab von den beiden Lichtgestalten der Branche, die sich in ihrer Perfektionsobsession sicher schwerer getan hätten im Improvisieren. Auch hat Lizzo nicht nur eine Querflöte, sondern auch das ein oder andere Kilo mehr in ihrem hautengen, roten Spitzenoverall zu verstauen.

Die Künstlerin, die mit bürgerlichem Namen Melissa Viviane Jefferson heißt, ist eine Vertreterin der Bewegung mit dem Namen "Body Positivity", deren simple Botschaft es ist, dicke Menschen zu überzeugen, das sie auch schön sind. Diese Message ist seit jeher - soweit man in solchen Kategorien bei einer 21-Jährigen sprechen kann - Lizzos Spezialgebiet. Mit ihrem neuen Album "Cuz I Love You" (Atlantic) treibt sie es so weit auf die Spitze, dass sie sich auf dem Cover ganz nackt zeigt. Ihre üppige Körperfülle ist nur von ihren Haaren umschlungen. Das Bild hat das Zeug dazu, so ikonisch zu werden wie jenes Foto von Beyoncé, auf dem sie sich mit ihrem Schwangerschaftsbauch als Fruchtbarkeitsmadonna inszeniert hat.

Auch Lizzos aktueller Hit "Juice" widmet sich ihrer eigenen ausufernden Pracht mit so kulinarischen Versen wie: "No, I’m not a snack at all/ I’m the whole damn meal." Was so viel heißt, wie: "Ich bin keine Jause, ich bin ein Mehrgangmenü", und es wird gereicht in einem funky 80er-Retrosound. Im Song "Tempo", den sie mit Rap-Kollegin Missy Elliott präsentiert, erklärt sie auch, warum sie so wenige langsame Lieder im Angebot hat: Auf Deutsch etwa "Langsame Lieder sind etwas für ausgezehrte Gelsen, ich kann meine Kurven dazu nicht angemessen schwingen." Was wiederum dazu passt, dass sie ihre Konzerte als eine "Messe mit Hinternwackeln" bezeichnet.

Jugendliche Freude

Dass die Musik auf dem Album ganz offensichtlich mit sehr aufgerissenen Augen auf den Charterfolg schielt, zerknirscht manchen Musikkritiker. Man kann aber auch auf der Habenseite verbuchen, dass sich hier Mainstream-Musik recht selbstbewusst als solche versteht und man sich mit einer munteren Selbstverständlichkeit und jugendlicher Freude am Füllhorn Pop bedient. Und man könnte auch dafür schwärmen, dass die Songs einer Frohnatur einmal, nun ja, fröhlich machen.