In der Minoritenkirche Krems/Stein bilden vier indigene Musiker aus dem alten Amerika in traditioneller Kleidung mit Lederfransen und Federnschmuck über dem Haupthaar einen Sitzkreis. Sie trommeln und erfreuen mit rituell-stoischen Wey-oh-oh-hey-ho-Gesängen wie bei einem Powwow in Nähe der Rocky Mountains. Allerdings wird gemeinsam mit dem israelischen Grenzlandgitarristen Yonatan Gat dafür gesorgt, dass es nicht strikt traditionell im Sinne von "klassisch" zugeht, sondern der Brückenschlag und das interkulturell verbindende Element mit spirituellem Zug im Vordergrund steht.

Der Mann an den sechs Saiten schwingt sein Arbeitsgerät zur Eröffnung der Donaufestivalsaison 2019 wie eine Axt oder einen Schneidbrenner durch die Kirche und versetzt den mantrahaften Unterbau der Eastern Medicine Singers gemeinsam mit einem Bassisten nicht nur in einen alten Quentin-Tarantino-Film, in dessen Soundtrack die Surfgitarren von Dick Dale die eigentliche Hauptrolle spielen.

Es geht dank eines Bildungswegs im Fachbereich Krach und Lärm bei zunehmend furioser Lautstärke und einem Satz heißer Ohren im Finale scheinbar auch darum, in das Innere eines Berges vorzudringen, in den schweres Baugerät gerade einen Tunnel stanzt. Die Grundsteinlegung der Einstürzenden Neubauten aus dem Jahre Schnee des Industrialzeitalters, hypnotisch gekreuzt mit dem künstlerischen Erbe des Algonkin-Volkes: Das erklärt das eine Ende des Donaufestival-Spektrums, als dessen Gegenstück das Duo Giant Swan aus Bristol mit entschieden weniger spirituell angelegten harschen Beats im Rahmen eines Schaltkanzelkonzertes mit nacktem Oberkörper zum Abschluss des Abends den Dancefloor zerlegt. Sozialrealistisches Nachtschwarz, allerdings spielen auch hier Reinigung und Katharsis eine Rolle, die das Programm des Festival-Auftakts ebenso zusammenhält wie die akute Körperlichkeit der Musik.

Die mit Arbeiten für die Tanz- und Performanceszene, gemeinsam mit der Technoband Ventil oder unter eigenem Namen künstlerisch breit aufgestellte Wienerin Katharina Ernst etwa demonstriert im Rahmen eines Soloauftritts am Schlagzeug auch mit polyrhythmischen Verschiebungen, wie man Minimalismus und Multidimensionalität miteinander verbindet. Es geht mit beigestellten elektronischen Sounds oder zu Regengeprassel im Ambient-Remix mit einem Riesengong wahlweise darum, eine Noise-Schliere hochzuziehen oder mit minimal-technoidem Nts-Ntsen vor einer Kirche namens Club in die Knie zu gehen – sofern nicht human-maschinelles Hochleistungsgeknüppel in Erinnerung an den Muppet-Drummer Animal dominiert.