Gemeinsam wurde während eines Rückzugs an einen Küstenort in der Normandie zwar wieder live und an lediglich vier Tagen in kurz gehaltenen Sessions aufgenommen, was bereits nahelegt, dass Pete Doherty sich auch in der Gegenwart nicht über Gebühr mit einzelnen Arbeitsschritten aufhalten will (man könnte das zeitgemäß als "Effizienz" oder "optimierter Workflow" interpretieren). Trotz aller auch gehörter Schludergitarren und anderer Ecken und Kanten zwischen dem Gesang (Es ist ja egal) und den Arrangements (Es geht ja um nichts) sind die fünfzig Spielminuten aber erstaunlich fokussiert ausgefallen - wobei die unter Zutun einer Heimorgel forciert daherkommende Single "Who’s Been Having You Over" vorab eine tendenziell falsche Fährte gelegt hat.

Neben dem üblichen Schrammel- und einer heute zentralen Hinwendung zu etwas Pub-Rock dominiert ein sentimental-reflektierender, zart-zärtelnder und überraschend friedlicher Grundton unter besonderer Berücksichtigung einer dem Kitsch durchaus nicht abgeneigten Geige das Geschehen.

Innerer Seelenfrieden

Die Inhalte werden nicht selten bereits von den Songtiteln vorweggenommen, schließlich benennt "All At Sea" den zumindest vom alten Pete Doherty gewohnten Zustand, buchstäblich durch den Wind zu sein, während "Paradise Is Under Your Nose" ausnahmsweise nichts mit dem guten alten Schneegestöber zu tun hat, sondern das Glück im Sinne des inneren Seelenfriedens (du meine Güte!) beinahe spirituell im Hier und Heute verortet. Das Gute liegt so nah und frisch!

Ausreißer sind eine Brexit-Fußnote in "Lamantable Ballad Of Gascony Avenue" und eine hübsche, mit Twang unter Strom gesetzte Reise durch das US-Mythenmoor ("The Steam"), nachdem sich Doherty zuvor mit der Velvet-Underground-Hommage "Someone Else To Be" einen gespielten Witz erlaubt und abermals selbstreferenziell ausgerechnet Oasis zitiert hat: "Please don’t put your life in the hands / Of a Rock ’n’ Roll band / Who’ll throw it all away . . ."

Steckt nun aber hinter mit Songs wie "A Fool There Was" oder Zeilen wie "I never lost control / I never had control / Can’t lose control / If you don’t have control" bekundeten Reuegefühlen Ernsthafteres, oder wird damit doch nur um Gunst und Gnade des Bewährungshelfers gebuhlt? Wir werden es nach dem WUK-Konzert wissen.