Zum Festivalmotto "New Society" und den damit verbundenen Unberechenbarkeiten und Unsicherheiten im Leben hat die Band auch einen Satz dabei. Er wird gegen Konzertende im entschieden zum Kopfnicken ladenden, zu einem verschleppten Beat mit Samples und Wabergitarre auffahrenden Song "Even Fantastica" fallen und lautet: "If you’re frightened of the future, watch it on TV / Though there’s probably not much that you’d want to see."

Und überhaupt könnte kaum eine Band metaphorisch betrachtet besser zum am Donaufestival gleichfalls mitreflektierten Thema der Auflösung des Bestehenden passen. Immerhin haben Flotation Toy Warning um Sänger Paul Carter mit ihrem Debütalbum "Bluffer’s Guide To The Flight Deck" im Jahr 2004 ein schwer ans Gemüt rührendes Meisterwerk auf uns losgelassen, um danach auch schon wieder zu verschwinden. Auflösung kann im Kunst- und Kulturmilieu im Zeitalter von Google zwar ein Vorteil sein, weil sie das einst selbstverständliche Mysterium als Fremdkörper wieder zurück ins Rampenlicht bringt. Allerdings ist das ein eher bescheidener Trost, wenn dafür – wie im konkreten Fall – keine neue Musik mehr erscheint.

Seemannsgesänge

Sage und schreibe dreizehn Jahre sollte es dauern, bis diese mit ihrem kommerziell selbstverständlich glücklos gebliebenen Debütalbum zur besten unbekannten Band unseres Planeten, nein, unseres Sonnensystems aufgestiegene Formation mit einem würdigen und jedenfalls überhaupt mit einem Nachfolger zurückgekehrt ist.

Aus dem 2017 erschienenen Album "The Machine That Made Us" wird ein nicht mehr für möglich gehaltener Auftritt, der noch dazu im ehrwürdigen Rahmen des Klangraums Krems/Stein in der ehemaligen Minoritenkirche alle Hoffnungen auf eine feierliche Messe erfüllt, am frühen Samstagabend mit dem Song "When The Boat Comes Inside Your House" begonnen. Während sich Paul Carter, der auch später noch gerne stoisch vor allem den Bühnenboden betrachten wird, hier noch etwas unsicher wahlweise an den Mikrofonständer oder eine Bierflasche klammert, erklärt der Song selbst bereits mit seinen am Anfang stehenden Seemannsgesängen, dass die heute zu siebent ausgerückte Band im Allgemeinen und ihr zweites Album im Speziellen nicht von ungefähr das offene Meer im Visier hat.

Dort draußen zwischen den Wellen lauert außer dem Unbekannten und dem Abenteuer immer auch der harte Broterwerb, die Gefahr und die Einsamkeit. Drama, Baby, Drama – und eine These: Schifffahrt auf hoher See ist das Bergsteigen der Länder mit Meerzugang. Außerdem geht es in diesen immer auch gegen ein Fallen ins Bodenlose ankämpfenden Songs hart am Rande zum Kentern womöglich auch um Abstürze, die mit betrunkenen Matrosen einhergehen – und jedenfalls sehr, sehr oft emotionalen Schiffbruch bedeuten.

Ein Ankerpunkt namens Trost

Damit flutet diese Band unser Herz. Ihr mit Begräbnisbläsern und schwelgerisch-barocken Streichern auf eine große Fundgrube an antiquierten Sounds zurückgreifender Kammerpop trifft auch mit Cembalo und singenden Sägen immer exakt diesen einen wunden und verwundbaren Punkt, an dem die Dämme brechen. Wir haben es mit Musik zu tun, die an alle unsere vom Alltag abgetötet geglaubten Empfindungen appelliert, loszubrechen. Wasser bedeutet Reinigung. In diesem Sinn sind Flotation Toy Warning auch Entfesselungskünstler, und ein verstohlener Blick in den Klangraum belegt es, dass nicht nur Krems selbst sehr nahe am Wasser gebaut ist.

"Popstar Researching Oblivion", "Controlling The Sea", "To Live For Longer Slides", "Made From Tiny Boxes", "Losing Carolina: For Drusky", "King Of Foxgloves", "Driving Under The Influence Of Loneliness": Flotation Toy Warning begeistern und bewegen mit einem innigen Set im Zeichen emotionaler Dringlichkeit bei gleichzeitig getragenem Tempo. Schnell ist unsere Zeit sowieso. Hallo, hier kommt die Entschleunigung!

Nicht erst zum Grande Finale bei "Happy 13" wird es um den Aufbruch in ein Abenteuer gegangen sein, das sich im Rückblick auf die Kindheit am besten betrachten lässt. Es wird sich trotz aller mitunter empfundenen Trauerstimmung in Liedern über Abschiede nach dem Durchputzen (mit Salzwasser geht das gut!) herausstellen, dass die tröstliche Note am Ende zum Glück aber der Ankerpunkt bleibt. "The painful days don't stay here with me / They're just a flash like a drive through museum, my friend." Man muss ja nicht gleich von einem sicheren Hafen sprechen.