Diese Band hat uns beigebracht, dass es sich bei der Aussage "Danke, Oasch!" nicht um eine widersprüchliche Beschimpfung des einzelnen Hörers handelt, sondern um die erfrischend ehrliche Antwort auf die Frage nach dem werten Wohlbefinden, die im Regelfall nur aus Höflichkeit gestellt wird und hinter der man höchstens eine Art freundlichen Smalltalk über das Wetter als Folge vermutet. Aber! Nicht! Mit! Franz! FUEXE!!

Wir haben es bei der Dialektband aus dem Mostviertel mit aufrichtigen jungen Menschen zu tun, die ihre Songs sehr gerne mit Bezeichnungen für Geschlechtsteile oder einem herzlichen "Du depperte Sau!" eröffnen, damit man gleich einmal weiß, woran man ist. Franz Fuexe lassen uns also tatsächlich an ihrem aktuellen Gemütszustand teilhaben, der eher nicht so gut ist. Überhaupt sollte man aber nicht länger deppert herumfragen, weil es sich erstens ja von selbst versteht, dass alles beschissen ist (Oida?!), und zweitens vom Reden ganz generell nie etwas besser wird. Die Band hat eine harte Jugend am Land hinter sich und weiß, dass man in sein Bier auch hineinschweigen kann.

Der Ortskern ist schiach, die Menschen sind schlecht. Und man kann ihnen draußen in der "Oaschicht" nicht so gut aus dem Weg gehen, wenn sie sich ausnahmsweise einmal nicht hinter dem Gartenzaun oder im Keller verschanzen und stattdessen zum blöd Daherreden nach draußen kommen. Vor allem als Mopedfahrer ohne Anstand und Manieren, aber mit stark ausgeprägtem Autoritätsproblem und Lederjacke heißt es jetzt aufpassen. Vorsicht! Obacht! Gefahr! Es könnte eine Provokation daherkommen, nach der es kein Halten mehr gibt. Irgendetwas mit Arbeitengehen, Haarewaschen und etwas Zeitgeschichte zum Abschluss. Körperliche Gewalt ist keine Lösung, aber definitiv eine Option. Bring alle Dorfbewohner in einem Bierzelt zusammen, und du wirst dein blaues Wunder erleben. Wie heißt es im Hit "Zötfest" von 2014? "Für zwanzg Euro Eintritt kannst di söchn lossn im Rauch vo zigtausend Tschick / Nua fette Nazis de Brodhendl fressn / d’Musi spüt auf, hot die Notn vagessn / Zötfest, Zötfest / Ned mit mir! / Nie mehr!"

Explosive Mischung

Mit ein bis zwei Minuten pro Song und bitte nie zu vielen Worten muss alles gesagt sein. Franz Fuexe prügeln sich dazu negative Gefühle zum Ausdruck bringend durch wüsten Hardcore-Punk und feiste Thrash-Metal-Riffs mit beigestelltem Massakerschlagzeug, der nötigen Dosis Grunz in der Stimme und gelegentlichen Brückenschlägen in Richtung Hip-Hop. Dass diese bisher auf den Alben "Nihilismus 0.0" (2014) und "Die neue Unordnung" (2017) exekutierte Musik mitunter einen festen Klopfer hat, wird aber auch in den Musikvideos vorgeturnt. Vor allem die Aufmischung einer Stehparty im Bobomilieu in "Kaunst da denga" sei Einsteigern wärmstens empfohlen.

Zur Bewerbung des am Freitag erscheinenden neuen Albums ">Musik" (Honigdachs/Hoanzl) kann man auf YouTube derzeit aber auch eine explosive Mischung erleben, die sich ergibt, wenn man fingierte Versehrte und vermeintliche Rollstuhlfahrer Fußball spielen lässt und damit den Song "Hoit de Goschn (Rapid spüd)" illustriert.

Dass es neben der bereits vom Bandnamen vermittelten Geschmacklosigkeit gerne auch um politischen Sprengstoff im Sinne der totalen Provokation geht, dürften aber auch neue Songs hinter Titeln wie "KZ 4 Nazis" belegen. Zu überprüfen heute, Donnerstag, ab 21 Uhr im Wiener Chelsea. Obacht, Vorsicht, arrgh! www.chelsea.co.at