Schon einmal, vor vier Jahren, wollte es der Zufall, dass die beiden Marinas ihre Alben zur gleichen Zeit herausbrachten. Heuer war es, Ende April, am exakt gleichen Tag, wieder soweit. Marina Diamandis, aus Wales stammende Sängerin (mit griechischem Vater), die bis dato als Marina and the Diamonds firmierte, ist nach vier Jahren Pause mit ihrem vierten Album zurück - und zwar nur mehr als Marina. Die Edelsteine sind weg - und leider auch sonst so einiges.

"Love + Fear" (Atlantic/Warner), das aus zwei Zyklen mit je acht Song besteht, die sich stilistisch kaum voneinander unterscheiden, ist keine künstlerische Weiter-, sondern eine Rückentwicklung. Marina, die auf ihren bisherigen drei Alben mit erfrischend eigensinnigem und sonor stimmigem Dance- & Balladen-Pop aufhorchen ließ, ist nun bei einem ziemlich eintönigen Konformitäts-Format gelandet, das bis auf wenige Ausnahmen ("True", "To Be Human", "Emotional Machine") nur aus aufgebrezeltem Max-Martin-Konfektions-Pop, Allerwelts-Kümmernis-Texten und einem (gemeinsam mit Luis Fonsi) schaurigen Abstecher in Balearen-Kitsch besteht. Wir wollen die Diamanten zurück!

Bei Marina & The Kats hingegen, der Formation rund um die quirlige steirische Sängerin Marina Zettl, gerne als "kleinste Bigband der Welt" tituliert, besteht kein Grund für Veränderung - weder im Namen noch im Sound. Und so sorgt auch Album Nummer 3, lautmalerisch "Swingsalabim" benannt (o-tone-music/Edel), mit der bewährten Mischung aus Retro- und Vintageklängen aus den 20er Jahren, von Beginn an für gute Laune.

Von seiner Ausrichtung her auf Verführung angelegt, merkt man bei diesem forcierten Swing, der gelegentlich auch mit zeitgenössischeren Stilen liebäugelt und anbandelt, zwar die Absicht - und ist trotzdem nicht ver-, sondern bestens gestimmt, samt rhythmischem Zehenwippen. Live funktioniert das Ganze, weil virtuos dargeboten, noch überzeugender als auf Konserve. Weshalb ein Blick in den Tourplan lohnt:www.marina-thekats.com