Wie blöd darf Musik sein? Und wann ist Schluss mit lustig? Eigentlich müssten HGich.T ein gutes Anschauungsbeispiel geben. In sturer Redundanz lehnt dieses bis zu 20-köpfige Hamburger Performance-Kollektiv jenen Prozess ab, der für Künstler-Biografien ungefragt vorausgesetzt und je nach sprachlichen Präferenzen Reifung, Weiterentwicklung oder dergleichen genannt wird.

Seit ihrem Debütalbum "Mein Hobby: Arschloch" von 2010 geben sich HGich.T zu stumpfen Goa-Techno-Beats als durchgeknallte Mischung aus Party-Primaten, verzogenen Bälgern und retardierten Hartz-IV-Empfängern unter strengster Vermeidung jeglichen Anscheins sozialen Gewissens oder Anliegens. Der vokale Vortrag weiß allem, was gekonntem Rap oder gar Gesang nahekommen könnte, so großräumig auszuweichen, dass es fast eine Kunst ist.

Billigst produzierte Videos mit Windel und Warnwesten tragenden, im Gatsch herumtollenden (erwachsenen) Protagonisten, langhaarigen Polizisten, Saufgelagen, billigen Mopeds und anderem optischen Müll haben, millionenhaft auf YouTube geklickt, die rapide Verbreitung dergestaltiger Schöpfungsakte befeuert. "Ach, das alles ist so scheiße, dass es schon wieder scheiße ist", befand dazu etwa - beileibe nicht als Einziger - der deutsche Autor und Pop-Journalist Linus Volkmann.

Und nun halten HGich.T, deren Name alles Mögliche von "Heute geh ich tot" bis "Hiermit grüße ich Tante Thomas" und also nichts bedeuten soll, schon bei LP Nummer fünf. "Jeder ist eine Schmetterlingin" heißt sie und bricht - siehe oben - nicht groß aus dem Kanon ihrer bisherigen Werke aus. Immerhin kommt "S-Bahn", das mit bemerkenswerter Ähnlichkeit zu Franzobels letztem Krimi "Rechtswalzer" den Weg von einer Fahrscheinkontrolle ins Gefängnis vorführt, einer sinnhaften Geschichte schon recht nahe (ist dafür aber, wie zur Kompensation, besonders vertrottelt interpretiert).

"DJ18" könnte zur Not noch als Porträt der Generation null Bock durchgehen, während HGich.T in der "Herr der Ringe"-Verarschung "Aragon" sowie in "Titteschön" und insbesondere dem Schlussstück "Apfelsaft" in all ihrer infantil-absurden Pracht strahlen.