Zum Messias geadelt: Kamasi Washington. - © Young Turk
Zum Messias geadelt: Kamasi Washington. - © Young Turk

"Jazz ist nicht tot, er riecht nur seltsam", hat Frank Zappa einmal gelästert. Seit damals kehrt in der Branche nicht nur die Todesangst immer wieder, sondern auch die Suche nach Heilsgestalten.

Diese Rolle ist vor einigen Jahren Kamasi Washington umgehängt worden. Der Tenorsaxofonist aus Los Angeles, Jahrgang 1981, verdankt seine Kür einerseits einer gewissen Partnerschaft: Die Arbeit mit Kendrick Lamar im (kommerziell) relevanten Hip-Hop wird ihm als Nachweis musikalischer Erdung ausgelegt. Andererseits hat der Saxofonist mit den brennheißen Soli und den wallenden Afro-Gewändern eine starke Eigenmarke aufgebaut. Das Dreifachalbum "The Epic" (2015) und die Doppel-CD "Heaven and Earth" (2018) machen nicht nur kraft ihres Großaufgebots an Sängern, Streichern, Chor und Jazz-Band Eindruck. Washington verbindet die Improvisationskunst mit den Ingredienzien eines schicken Retro-Soul und schmiedet solcherart Stücke, die trotz ihres Anspruchs mehr als die übliche Jazz-Kundschaft anlocken. Live am 8. Juli in der Wiener Arena.