Drum and Bass ist sprunghaft. Wer es schafft, so lange wie Camo & Krooked damit international erfolgreich zu sein, macht viel richtig. Zwölf Jahre schreiben beide gemeinsam - oder eigentlich getrennt voneinander, wie sie erzählen - an elektronischer Musik, die Erwartungen brechen soll. Auf ihrem letzten Album "Mosaik" haben sie versucht, Tempo aus der Musik zu nehmen. Der Kampf um die größte Lautstärke ging trotzdem weiter. In der Szene müssen Künstler ständig am Ball bleiben, das kann an den Kräften zehren. Heute sind Reinhard Rietsch (Jahrgang 1983) und Markus Wagner (Jahrgang 1989), so heißen sie bürgerlich, wieder voller Tatendrang. Und das betrifft auch den verschwindend geringen Frauenanteil in der Szene.

"Wiener Zeitung": Wie wohnt und arbeitet ihr? Reini hat eine Wohnung mit Dachterrasse in Wien, oder?

Reinhard "Camo" Rietsch: Ja, im sechsten Bezirk, sehr nett hier.

Markus "Krooked" Wagner: Ich wohne wieder im Bezirk Lilienfeld. Wir arbeiten nie gemeinsam im Studio, haben aber das gleiche Equipment, dieselben Lautsprecher, Kopfhörer, Soundkarte und Mikrofone. Wir schicken Musik hin und her, geben Feedback, verändern, arbeiten an unterschiedlichen Aspekten des Tracks weiter. Die Treffen sind eher für Gigs, Termine beim Radio, für Fotos und Meetings, oder einfach nur lustige Umtrunke.

Warum habt ihr im letzten Jahr weniger von euch hören lassen?

Wagner: Wir haben nicht viel veröffentlicht, sondern die Zeit in neue Musik-Software investiert. Wir mussten wieder mehr Sport treiben, auf die Ernährung achten, länger schlafen und die Balance zwischen dem Leben und dem Business finden, das einen gerne verschluckt. Wir sind jetzt wieder fit und motiviert, sitzen jeden Tag im Studio, alles dreht sich um Camo & Krooked.

Rietsch: Eine wirkliche Auszeit hat es mit Album, Konzerten und Aufträgen nie wirklich gegeben. Es wird jetzt ungefähr alle zwei Monate eine neue Single geben, die wir breit fächern wollen, mal etwas für einen Dancefloor, dann wieder etwas Unkonventionelles.

Ihr habt die Software gewechselt?

Wagner: Die alte Software hatte Schwächen, deshalb arbeiten wir jetzt mit Bitwig. Die Handhabung ist simpel, man kann dennoch sehr komplexe Dinge kombinieren.

Rietsch: Wir haben uns beigebracht, Drums rein digital herzustellen. Das zu lernen, dauert ein Jahr, aber es lohnt sich. Wenn du im Drum and Bass ganz vorn dabei sein willst, musst du das können. Von einer kurzen Idee zu einem ganzen Tune kommen, ist nun die größte Aufgabe. Oft schauen wir, wer es schafft, einen Tune zu knacken.