Mit Sneakers, Strubbel-Look und einer Scheibe namens "Twentysomething" hat er Furore gemacht: Jamie Cullum, Sänger und Pianist, galt in den Nullerjahren als Frischzellenlieferant des Jazz, verzwirbelte er doch betagten Swing mit hippen Beats und glänzte hier und da auch als Pop-Schreiber. Altherrenmusik? I wo!

Inzwischen ist der Brite selbst zum alten Bekannten geworden und feiert demnächst 40. Geburtstag. Mühe beim Ausblasen der Kerzen dürfte er noch nicht haben: Seine Konzerte weisen ihn weiterhin als ein Springinkerl aus. Dafür machte er Konzessionen an das Familienleben: Fünf Jahre lang hat er keine CD aufgenommen.

Diese Stille endet nun mit "Taller". Das Album rückt Cullum als Songschreiber ins Zentrum, setzt den Jazz aber weitgehend vor die Tür. Keine Updates von Swinghadern mehr, keine Klaviersoli. Stattdessen Pop, der knackig Ja zum Leben sagen will und mit knallbunten Arrangements ebenso an den Soul andockt wie an Bombastrock und elektronische Versatzstücke. Gemischt auch die Qualität: Das Titellied rüstet eine Allerweltsmelodie zur Wummernummer hoch, die Huu-Huu-Chöre von "For The Love" schielen in Richtung Werbewirtschaft. In "Usher" setzt es dann aber bissfesten Funk, und "The Age Of Anxiety" und "Drink" bekräftigen Cullums Talent für hymnische Powerballaden. Ein teilzeitgeniales Album.