(irr) Am Anfang herrschte das Chaos - auch beim Jazzfestival Saalfelden. Als der Konzertreigen 1978 aus der Taufe gehoben wurde, walteten die Musiker ihrer Kunst in einem denkbar bescheidenen Ambiente, nämlich in einem Stadel - und das unter ziemlich wirren Bedingungen, wie sich der schon damals beteiligte Saxofonist Wolfgang Puschnig in einem Interview erinnerte.

Heuer tritt Puschnig abermals in der berüchtigten "Ranch" in Erscheinung, allerdings aus nostalgischen Gründen. Das Festival mit dem Hang zur Experimentierfreude geht mittlerweile in seine 40. Ausgabe, und es ist über die Jahre zu einer grundsoliden Programmreihe avanciert. Einerseits drohen Musiker und Publikum seit der Übersiedelung von der grünen Wiese ins örtliche Kongresszentrum nicht mehr, im Schlamm zu versinken. Andererseits steht die Pinzgauer Prestigeveranstaltung, die im Jahr 2005 aus Geldnöten ausfiel, heute dank einer generösen Politik auf finanziell sicherem Boden.

Im Jubeljahr gönnt man sich einen üppigen Spielplan: Zwischen 22. und 25. August beschallen internationale Künstler nicht nur den Congress Saalfelden und die gewohnten Nebenbühnen, sondern auch öffentlichen Raum. Das Eröffnungskonzert, traditionell in österreichischer Hand, wird diesmal von Bassist Manu Mayr bestritten, an heimischer Prominenz folgen unter anderem Christian Muthspiel und Puschnig, für amerikanischen Starglanz bürgt Saxofonist Joshua Redman.

Widerständige Klänge im Burgenland

Auch in Nickelsdorf wird heuer jubiliert: Das Festival "Konfrontationen", Burgenlands Zitadelle des Freejazz, feiert seine 40. Ausgabe. Zu diesem Behuf drücken einander intensive Improvisatoren von 25. bis 28. Juli in der Jazzgalerie die Klinke in die Hand; zu besichtigen sind etwa die heimische Szenegröße Maja Osojnik, der amerikanische Saxofonist und Avantgarde-Veteran Joe McPhee sowie sein deutsches Pendant Peter Brötzmann.

Gewohnt breitenwirksame Töne schlägt das Jazz Fest Wien an und setzt abermals auf bewährte Größen. Die Eröffnung am nächsten Montag ist den Jazzrockern Snarky Puppy vorbehalten, hier erstmals 2016 zu erleben. In der Staatsoper wird eine Reihe von Jazzfest-All-Stars vorstellig: Von 5. bis 9. Juli betätigen sich hier die brasilianische Institution Gilberto Gil, der Klavierkomiker Chilly Gonzales sowie Omara Portuondo, die lebende Legende des Buena Vista Social Club. Es folgt ein Abend mit dem Stimmartisten Bobby McFerrin sowie ein Konzert des britischen Sängers und Jazzpianisten Jamie Cullum, der nach fünf Jahren Studiopause soeben ein neues Album herausgebracht hat (Rezension siehe Seite 44).

Zwölf Bühnen bespielt das Jazz Fest von 24. Juni bis 10. Juli, die spannendsten Termine dürften wohl dem Porgy & Bess ins Haus stehen. Hier wird nicht nur der Soulsänger José James sein Stimmgold glänzen lassen, sondern das Quintett von Georg Gräwe und Franz Koglmann zudem für tönenden Wagemut sorgen.