Wien. Das Konzert des Jazz-Stars Kamasi Washington begann am Montagabend unverhofft spät – und endete überraschend bald. Der Grund: ein Eklat auf dem Gelände der Arena Wien. Der Vater des Afroamerikaners, selbst Musiker und mit dem weltberühmten Sohn auf Tour, sei von einem hiesigen Security-Mitarbeiter attackiert worden.

Kamasi Washington setzte das Publikum selbst davon in Kenntnis. Eigentlich hätte das Konzert um 20 Uhr beginnen sollen, tatsächlich betrat der Musiker die Halle kurz vor 21 Uhr mit seiner Band und einer düsteren Miene. Washington hielt eine kurze Ansprache: Er entschuldige sich für die Verspätung, aber sein Vater sei von einem Sicherheitsmitarbeiter angegriffen worden. Er, Washington, habe den Security zur Rede gestellt. Dieser habe gelacht und geantwortet, Washingtons Vater habe sich "wie ein Arschloch verhalten". Der Weltstar beschloss daraufhin, das Wien-Konzert nicht abzuhalten. Aber: "Ich liebe euch, und deswegen spielen wir für euch den Song ‚Truth‘." Es folgten 20 Minuten Intensiv-Jazz: Befeuert von der Wucht zweier Rock-Schlagzeuge, steigerten sich Washington, sein Posaunist und der Keyboarder zu furiosen Soli. Nach diesem Kraftakt war tatsächlich Schluss.

Zog erbost ab: Saxofonist Kamasi Washington. - © Young Turk
Zog erbost ab: Saxofonist Kamasi Washington. - © Young Turk

Antwort auf Rassismus-Vorwürfe

Auf Anfrage der "Wiener Zeitung" legte die Arena ihre Sicht der Dinge dar. Sie entschuldigte sich, ließ Rassismus-Vorwürfe aber nicht unerwidert. In Absprache mit der Band seien am Vormittag Zugangspässe zum Gelände vergeben worden. Später habe Washingtons Vater versucht, ohne das Papier Zutritt zu erhalten, und wurde abgewiesen. Darauf habe er einen Mitarbeiter beschimpft. Der Streit schaukelte sich zu gegenseitigen Rempeleien hoch, zu Fall gekommen sei aber keiner. Bei einem klärenden Gespräch mit allen Beteiligten hätten Vater und Sohn Washington eine Entschuldigung des Securitys und dessen Abzug vom Gelände gefordert; beides sei erfüllt worden. Die Band wollte den Auftritt dennoch nicht spielen. Die Arena spendet den Barumsatz des Abends einer wohltätigen Organisation. Auch der Veranstalter Barracuda Music hat sich entschuldigt. Das Publikum kann sich den Kartenpreis an der Vorverkaufsstelle rückerstatten lassen.