Mit steigendem Alter verstehst du, wie traurig das Leben sein kann. Du erlebst Todesfälle, wirst gewisse Menschen nicht mehr so kennenlernen, wie du es wolltest, und gewisse Dinge nicht erreichen, auf die du erpicht warst. Und: Du musst mit einigen Taten leben, auf die du nicht stolz bist. Als Jugendlicher hast du die Freiheit, einer dieser sehr optimistischen Menschen zu sein. Aber ein gewisses Maß an gesundem Pessimismus ist wichtig. Ich glaube, das ist nur realistisch. Du willst deinen Kindern nicht beibringen, das Leben sei schrecklich. Aber du willst ihnen schon erklären, dass es nicht so ist, wie uns das Instagram weismacht.

Ihre Töchter sind jetzt sechs und acht Jahre alt. Kommen aus der Schule manchmal Wünsche nach Konzertkarten und Autogrammen?

Nein. Ich halte meine Arbeit vom Leben meiner Kinder fern, mit Absicht. Sonst könnte es sich für meine Töchter so anfühlen, als wäre meine Arbeit ein Teil ihrer Identität, und das sollte nicht so sein.

Viele Menschen kommen mit Popmusik erst dann wieder in Berührung, wenn ihre Kinder sie zu hören beginnen. Dann sagen Eltern oft: Die Musik meiner Jugend war viel besser. Sehen Sie das auch so?

Das ist schwer zu sagen. Als ich zwölf war, waren die Red Hot Chili Peppers, Rage Against The Machine und Soundgarden aktuell: großartige Bands. Meine Kinder sind wirklich noch jung, derzeit mögen sie Kacey Musgraves und Taylor Swift. Ich finde jedenfalls, das sind gute Künstlerinnen.

Sie haben die Gegenwart in einem Ihrer neuen Lieder porträtiert: "The Age Of Anxiety" heißt es. Ist das eine Anspielung an das Gedicht von W. H. Auden?

Nein. Ich habe die Phrase aufgeschnappt und fand sie sehr passend.

In dem Lied taucht auch der Brexit auf. Sie sind bekanntlich kein Fan des britischen EU-Austritts, wollen die Brexit-Fans aber nicht abschätzig belehren oder anflegeln, wie das in Sozialen Medien heute an der Tagesordnung ist. Könnte man unsere Epoche auch ein Zeitalter des Hasses nennen?

Ich denke, die Gesellschaft ist sehr polarisiert, und das Internet ist dabei keine Hilfe. Wir bauen keine Brücken, indem wir sagen, eine andere Person sei dumm. Viele intelligente Menschen, die unter anderen Umständen leben, halten den Brexit für eine gute Idee. Sie sollten zumindest respektiert werden.

In "The Age Of Anxiety" klingt auch das Flüchtlingsthema an. Wie viel bedeutet es Ihnen? Ihre Großeltern - auf der einen Seite jüdisch, auf der anderen indisch - waren selbst Immigranten im Vereinigten Königreich.

Ja, ich bin das Produkt von Migranten. Meine Frau und ich haben in den Vorjahren auch viel mit Flüchtlingen gearbeitet. Wir haben Menschen aus Syrien betreut und in unserem Haus wohnen lassen. Unser Land ist eine Nation, die auf anderen Nationen aufgebaut ist. Man muss mit dem Thema Zuwanderung sensibel umgehen. Andererseits muss man auch sagen: Die Absicht, Migration in einer globalisierten Welt zu stoppen, ist wie der Versuch, den Wind aufzuhalten. Ich denke, es ist gesunder Menschenverstand gefragt. Man kann zu weit rechts, aber auch zu weit links sein.

Sie sind bekanntlich ein Fan der Queen und haben auch schon für sie gespielt. Was halten Sie vom umstrittenen Namen ihres jüngsten Urenkels - Archie?

Das habe ich total verpasst. Worum geht es?

Den Sohn von Herzogin Meghan und Prinz Harry, er heißt Archie.

Das ging an mir vorbei. Die sollen ihn nennen, wie sie es wollen. Es ist ein freies Land. Das Kind könnte jeden Namen tragen, von mir aus auch, ich weiß nicht . . .

. . . Butch?

Genau! Butch. Die Leute sollen die Kontrolle über ihr Leben haben, ob König oder Bettler.