Eigentlich wäre aktuell ein "-" an der Reihe gewesen. Nach drei Alben im Zeichen der Grundrechnungsarten, "+", "x" und dem bereits etwas problematischeren "÷" ("Divide" heißt passend zur Zeit ja immer auch spalten), hat sich Ed Sheeran das Minus aber vorerst gespart. Im mit Rumms auffahrenden und auf Selbstüberhöhung gebauten Showgeschäft sind Addition und Multiplikation natürlich ein Traum. Der Abzug und die Reduktion gehen wie auch im härtesten Spekulanten- und Investorenmilieu aber gar nicht. Warum weniger wollen, wenn man auch mehr haben kann?

Ed Sheeran, der einst mit dem Image des haus- und selbstgemachten Singer-Songwriters aus dem Kinderzimmer als Normalo im Geschäft eingeführte Schmusesänger mit dem Out-of-Bed-Look, der Pumuckl-Frisur und im Wesentlichen keinem Modegeschmack ist wieder da, hat sein neues Album "No.6 Collaborations Project" (Warner) genannt und tritt damit an, uns zumindest quantitativ mehr zu geben.

Die Zwänge der Schablone

15 statt wie bisher 12 Songs sind es diesmal geworden, außerdem hört man in den 50 Spielminuten eine ganze Armada an Gästen. Namen wie Khalid, Stormzy, Yebba, H.E.R. oder Paulo Londra sind die Stars der jungen Leute von heute und selbst noch keine Mitte zwanzig. Wegen der Sache mit dem Generationenvertrag oder einer Art goldenem Handschlag für die alten Säcke aus Pensionsvorsorgegründen wurden mit Eminem und 50 Cent aber auch zwei Elder Statesmen an Bord geholt. Die sind bereits Mitte vierzig, haben es vermutlich schon mit dem Kreuz und sind auch über ihre Vergangenheit als Crack-Dealer mit Schusswaffenhintergrund oder als politisch eher nicht so korrekte Keif- und Keppelrapper dazu angetan, Ed Sheeran langsam vom Teenie- und Kuschelbarden-Image zu befreien.

Das scheint das Album leisten zu wollen: Zugunsten elektronisch grundierter Neo-R&B-Songs mit Rap-Einlagen und sämtlichen Klischees zwischen stolpernden Subbässen und Handclaps aus der Dose wird auf "No.6 Collaborations Project" tatsächlich nur ein einziges Mal explizit in das alte Kerngebiet vorgestoßen. Bis auf das Pathos verbreitende und große Gefühle vortäuschende Mann-Frau-Duett "Best Part Of Me" hat es sich fürs Erste ausgekuschelt. Die betulich gestimmte Lagerfeuergitarre bleibt in der Ecke stehen. Dafür gelingt Ed Sheeran zwischen erhöhten Formalismen und den Zwängen der Schablone das Kunststück, dass man die Songs zwar alle schon sehr oft gehört hat, obwohl man sie gar nicht kennt - richtig als Ohrwurm hängenbleiben wollen sie deshalb aber auch nicht.