Also schreibt Chick Corea im Booklet: "Ich mag italienischer Abstammung sein, aber mein Herz ist spanisch." Seine Fans wissen das natürlich seit 1976, dem Geburtsjahr von "My Spanish Heart": Nebst zeittypischem Jazz mit Hang zu Funk und Synthesizern bescherte einem das Album unter anderem den Olé!-Ohrwurm "Armando’s Rhumba".

Nun hat der Jazzpianist ein Nonett namens The Spanish Heart Band ins Leben gerufen und legt damit eine Aufnahme vor. Billiges Aufwärmen einer Faszination? Mitnichten. Das Titelstück, "Antidote", glänzt durch Notenfrische und einen akustischen Weltmusiksound, entfernt von der betagten Fusion-Ästhetik. Zwar greift Corea dann altes Material auf, überarbeitet es aber streckenweise radikal:

Der erste Teil des "Yellow Nimbus" wächst sich zum ziseliert neuen Stück Kammermusik aus. Trumpfasse wie die Ballade "My Spanish Heart" und der legendäre Armando-Rhumba werden dann in einem neuen Gewand lustvoll tänzerisch ausgespielt. Trotz der Wiederkehr vertrackter Momente: Das Album verströmt Altersentspanntheit und hebt sich so wohltuend von Coreas Fusion-Revivals der Vorjahre ab, die mitunter kraftmeiernde Folgen hatten. Seine allerbesten Scheiben mag der 78-jährige Amerikaner zwar schon länger hinter sich haben, es waren ihrer aber genug für ein Leben.