Die seit 2008 in Manchester lebende Kalifornierin Jesca Hoop wurde nicht zuletzt dadurch bekannt, dass sie als Tochter von Mormonen nach jahrelanger rastloser Wanderschaft als Kindermädchen bei Tom Waits arbeitete.

Dabei ist die Singer-Songwriterin auf außermusikalische Querverweise dieser Art schon lange nicht mehr angewiesen. Album für Album überzeugt sie mit ihrer eigenwilligen musikalischen Melange aus Folk, Blues, Indierock und dezenter Elektronik und wird für die songschreiberische Sensibilität ihrer Produktionen gerühmt. Für ihr mittlerweile fünftes Album, "Stonechild", hat sich Jesca Hoop nun die Dienste des Produzenten John Parish gesichert, der schon PJ Harvey und Aldous Harding erfolgreich zur Seite stand.

Und John Parish gelingt es tatsächlich, das ausnahmslos exzellente Songmaterial von Jesca Hoop durch Reduktion und Konzentra- tion zu verfeinern. Nichts an dieser Produktion wirkt überladen, alles bleibt einfach, klar und schnörkellos, auf das Wesentliche konzentriert. Der musikalische Mantel, den Parish um die fein gewobenen Songs legt, wechselt stimmig von Song zu Song, und die Wechselwirkung aus filigranen Rhythmen, (meist) akustischen Arrangements und der unverwechselbaren Stimme Jesca Hoops verhilft dem Album zu einer Kohärenz, die den Songreigen noch intensiver zum Klingen bringt.

Die von großer Aufrichtigkeit geprägten Texte kreisen immer wieder um die Themen Verlust und Vergänglichkeit, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Religion und Familie, Glück und Heilung und gleichen oft musikalischen Meditationen über den Irrsinn des Daseins und die Einzigartigkeit des Lebens. Dass Jesca Hoop vielschichtige Folksongs schreiben kann, wusste man schon. "Stonechild" beeindruckt aber auch mit einer Rhythmusgruppe, die mit Grazie groovt, mit sanften Gitarrenklängen und gekonntem Banjo-Fingerpicking, mit überraschenden Trip-Hop-Beats und Chorklängen.

Das stilistische Spektrum umfasst Exerzitien im klassischen Folk, dunkel grundierte und dezent schräge Indiepop-Songs, ein ironisches Freakfolk-Pastiche und ein atmosphärisches Tribut an Victoria Williams.