Nicht nur historisch betrachtet ist vor allem aber der britische Musiker, Produzent und Toningenieur Joe Meek ganz vorn mit dabei, wenn es darum geht, dem All musikalisch näherzurücken. Sein obskures Konzeptalbum "I Hear A New World", aufgenommen bereits im Jahr 1959, also zehn Jahre vor dem ersten Gastspiel der Menschheit auf dem Mond, erkundet außerweltliches Gebiet unter Zuhilfenahme einer Skiffle Group namens Blue Men (die Marsmännchen kommen!) und wegweisend blubbernder Sounds. Den Extraterrestriern selbst wird eine Stimme verliehen: Sie klingen wie eine nicht nur mit Heliumluftballons verdammt high gemachte Gruppe aus Baby-Chipmunks, die gerade dabei ist, den Verstand zu verlieren. Keine Macht den Drogen!

Den Einfluss, den illegale Substanzen auf die zentralen Genres zum Thema haben - also auf Krautrock (Stichwort "Kosmische Musik"), New Age oder den mitunter im Shoegazing zwei Jahrzehnte später weitergeführten Spacerock der 70er Jahre - ist ohnehin nicht zu überschätzen. Mit einem Sample aus der Produktion des jamaikanischen Kifferkönigs Lee "Scratch" Perry heißt es dazu im Jahr 1992 etwa bei The Prodigy im Song "Out Of Space" mehr als treffend: "I’ll take your brains to another dimension!" Es ist alles ziemlich abgespact.

Cover des "Ziggy Stardust"-Albums von David Bowie von 1972.
Cover des "Ziggy Stardust"-Albums von David Bowie von 1972.

Näher am Datum der Mondlandung künden auch die großen Klassiker des Genres davon. Wie derzeit im Kino in Dexter Fletchers Biopic "Rocketman" überprüft werden kann, war nicht nur Elton John gut und gerne so "high as a kite" wie der 1972 im Hit gleichen Titels als Arbeitnehmer porträtierte "Rocket Man" bei seiner Reise durch das All. Vom gleichfalls zum Kokain neigenden Pop-Alien David Bowie ganz zu schweigen. Er war "Der Mann, der vom Himmel fiel", als Ziggy Stardust ein Rockstar aus dem Orbit und am Ende seines Lebens ein dunkel strahlender "Blackstar", der 2016 in den Äther verschwand.

David Bowie hat dem gemeinen Erdenmenschen eine weit über die Neigungsgruppe Popkultur hinaus kanonisierte Frage gestellt - "Is there life on mars?" - und uns mit "Space Oddity" den größten Space-Popsong aller Zeiten geschenkt. Der erschien nur wenige Tage, bevor Neil Armstrong am 21. Juli des Jahres 1969 seinen Fuß, sprich seinen Moonboot, auf das Mondgestein setzte. Der Song wurde von der BBC allerdings zunächst nicht gespielt: Die Geschichte vom verloren im All treibenden Major Tom, der mit Peter Schilling ("Völlig losgelöst von der Erde . . .") auch die Neue Deutsche Welle erreichte, galt angesichts eines möglichen Unglücks als zu pikant. "Planet earth is blue / and there’s nothing I can do."

Dass die Erde tatsächlich blau ist, ist übrigens auch im ersten Musikvideo aus dem Weltraum zu überprüfen: Es wurde im Jahr 2013 in der Internationalen Raumstation (ISS) gedreht und zeigt den kanadischen Astronauten Chris Hadfield mit einer bewegenden Coverversion von - ausgerechnet - "Space Oddity" (das mit der Rückkehr hat dann aber glücklicherweise trotzdem geklappt).

Hall, Hall, Hall

Gleichfalls von der ISS wird im Sommer 2018 bei einem Konzert der Elektronikpioniere Kraftwerk in Stuttgart der deutsche Raumfahrer Alexander Gerst zugeschaltet, der auf einem eigens programmierten Tablet musiziert. Belegt sind außerdem die Aufführung von "Jingle Bells" durch die Crew der Gemini 6A im Dezember 1965 und ein zeitlich synchron gespieltes Querflöten-Doppel der NASA-Astronautin Catherine Coleman (im All) mit Ian Anderson von Jethro Tull (auf der Erde). Für seine Interpretation von "Amazing Grace" brachte der Amerikaner Kjell Lindgren 2015 sogar einen Dudelsack mit an Bord. Ein geplantes Saxofon-Experiment von Ronald McNair allerdings scheiterte 1986 an der Challenger-Katastrophe.

Wie klingt nun der Weltraum? Mysteriös wie die "Akte X"-Melodie? Nach einem akustischen Gleitflug wie im Fernsehen, wenn dort "Space Night" ansteht? Vielleicht. Im Popkosmos unter Einbindung längst museumsreifer, aber nach wie vor gerne benutzter Korg- und Moog-Synthesizer jedenfalls zumindest elektronisch grundiert, sehr oft kalt und buchstäblich nach dem in der Kritikerprosa beliebten Adjektiv "atmosphärisch". Und es gibt Hall, Hall, Hall: Ein diesbezüglich beliebtes Effektgerät heißt nicht von ungefähr Eventide Space. Es sorgt mit intergalaktischen Presets wie "Blackhole" oder "Echo Space Of God" dafür, dass die unendlichen Weiten des Alls etwas greifbarer werden. Wie gesagt, die Wahrheit ist irgendwo da draußen.