Im zehnten Jahr seines Bestehens gehört das Popfest zu den Fixpunkten im wienerstädtischen Programmkalender. An vier Tagen gibt es heuer rund 70 Acts zu erleben. Ein ABC zur Einstimmung.

Auftakt: Im Anfang war die Wurst. Zum Auftakt der Popfest-Jubiläumsausgabe (der erste Runde!) ist Tom Neuwirth alias Conchita alias jetzt eben nur Wurst mit seinem Auftritt am Donnerstag um 22 Uhr der unbestrittene Headliner auf der Haupt-, also der Seebühne auf dem Wiener Karlsplatz. Immerhin findet die neueste Inkarnation der Song-Contest-Siegerin als Elektropop-Act hier ihre Live-Premiere samt Band. Zentral bis zumindest nicht uninteressant dürfte auch die Frage sein, wie viele Kostümwechsel sich dabei ausgehen werden.

Zuvor gibt es feministisch bis migrantig gefärbten Rap von Ebru Düzgün alias Ebow ("Ihr hasst mich so richtig / Denn diese Kanakin hier macht sich zu wichtig / Ist zu gebildet / Sieht zu gut aus / Zersprengt eure Kästen muslimischer Frauen") und Soulgesang von Eva Klampfer alias Lylit. Die gebürtige Oberösterreicherin mit New-York-Vergangenheit ist als Songwriterin übrigens auch an der im Herbst erscheinenden Wurstplatte beteiligt: "Hit me!"

Buch: Das Popfest kann man in Form des Popfests auf dem Karlsplatz und in den angrenzenden Locations zwischen Wien Museum, Prechtl- und Kuppelsaal der TU, Roxy, Heuer oder Karlskirche nicht nur erleben, hören, spüren und in schöner Tradition natürlich auch beim Partymachen begießen. Man kann seine Geschichte nun auch in Buchform (Lesen bildet!) lexikalisch studieren: "Ein Deka Pop" (Falter Verlag) versammelt 400 Programmtexte aus der Feder, also dem Laptop des Popfest-Mitbegründers Robert Rotifer. Ergänzt wird der Band um Erinnerungen u. a. der FM4-Journalistin Katharina Seidler und Fotos von Petra Eckhart. Präsentation am Freitag um 18 Uhr im Wien Museum.

Frauen: Das Popfest 2019 präsentiert sich im Zeichen des Doppel-Ws, es gibt sich also weltoffen und weiblich: "Pop will keine Norm, und wir wollen das auch nicht. Wir wollen uns auf die vielseitigen Künstler*innen der Zeit konzentrieren und Wien als Vielvölkerstadt feiern, die sie schon immer war." Und: "Wir wollen auch den heteronormativen Popdiskurs weiterhin brechen."

Nicht nur liegt die Frauenquote im aus Yasmin Hafedh alias Yasmo und Mira Lu Kovacs (Schmieds Puls, 5K HD) bestehenden Kuratorinnendoppel bei gefühlten 200 Prozent. Auch im Komplett-Line-up sind heuer mehr Frauen als Männer vertreten. Das ist sowohl für die heimische als auch für die internationale Festivallandschaft sensationell. Zum Vergleich: Beim "Nova Rock" in Nickelsdorf betrug der Frauenanteil auf der Bühne schlanke 4,7 Prozent. Wie hieß es schon einst bei Ivor Cutler? "Women of the world take over!"