Das ist einer der besten LP-Einstiege aller Zeiten: "Soll ich?", fragt Françoise Cactus über einem gemächlich anhebenden Electro-Beat. Brezel Göring antwortet "Ja", während im Hintergrund ein (recht unecht klingendes) Auto angast. Françoise: "Ich warte, bis das Auto vorbei ist. Ist vielleicht besser, oder? Sonst sagt man ja, ,dieses Scheiß-Auto!‘". Nachdem dann statt des Autos endlich der Beat richtig auf Touren gekommen ist, wird festgestellt: "Es ist nicht leicht, einfach zu sein."

"Charme" ist wohl das Attribut, das dem französisch-deutschen Duo Stereo Total am häufigsten attestiert wird. Ausschlaggebend dafür ist sein durch und durch trashiger Auftritt: Sorgfältig kultiviert Mme. Cactus (bürgerlich van Hove) ihren französischen Accent, Mulitiinstrumentalist Göring (eigentlich Hartmut Ziegler) bedient Geräte von einer Schundigkeit, wie man es Kindern keinen Augenblick lang zumuten würde. Und ein sauber-kompaktes Klangbild ist ungefähr das Letzte, worauf Cactus bei ihrer 8-Spur-Kassetten-Produktion achtet.

Diese Musik und die durch sie transportierten Inhalte spielen, ohne daran Schaden zu nehmen, ein ums andere Mal die Wiederkehr des ewig Gleichen: Das Leben als Abfolge von Partys, heftigen Süchten und Begierden und ihre Folgen für Leib und Seele, vertont mit klapprigen Drums, leiernden Synthesizern und, fallweise, primitiven Gitarren.

Für das jüngste Album von Stereo Total, "Ah! Quel Cinéma!" (was so viel bedeutet wie "Was für ein Theater!"), scheint passenderweise die Velvet-Underground-Biographie "Uptight" Inspiration gewesen zu sein: Im Drogensong "Methedrine" singt Cactus "We were really uptight" und endet: "As Lou always says: You better take drugs and learn to love plastic." Es ist unter diesen Prämissen wohl auch kein Zufall, dass "Elektroschocktherapie" am Ende die Methode aufruft, mit der Reeds "Inversion" (also Bisexualität) "behandelt" worden war. Am schönsten zeigt sich diese "Hommage", wenn Göring in "Brezel Says" herrlich größenwahnsinnig den VU-Klassiker "Stephanie Says" paraphrasiert.