"First they cut the radio / Then they cut the television / They locked down the internet / Then locked up the opposition." Eines lässt sich am neuen Album des es aus dem Bundesstaat New York gebürtigen US-Rappers und künstlerischen Tausendsassas Saul Williams doch relativ schnell feststellen: Wirklich positiver, leichter, weniger dystopisch oder besser gelaunt sind die Inhalte definitiv nicht geworden.

Auch wenn uns der heute 47-Jährige nicht mehr so entgegengeifert wie vor eineinhalb Jahrzehnten mit Stücken wie "List Of Demands (Reparations)" oder "Black History Month", weil sich über die Zeit eventuell auch Erfahrungen mit einer Sache namens Resignation eingestellt haben oder es im Prozess des Erwachsenwerdens zumindest in einer Zeit vor Twitter einmal normal war, dass man nicht immer gleich auf 200 ist wie seinerzeit als junger Heißsporn, geht es zwar etwas stiller und gedämpfter zu, es geht aber zweifelsfrei noch immer um den guten alten Kampf gegen das System - und seine dunklen, dunklen Mächte.

Saul Williams hat seine Ursprünge in der Open-Mic-Szene und kam über das Schreiben von Lyrik zum Schreiben von Lyrics, also auch zur Musik. Er hatte im sowohl auf dem Sundance Film Festival als auch in Cannes preisgekrönten Film "Slam" eine frühe erste Hauptrolle vor der Kamera und stand ab dem Jahr 2014 für das Stück "Holler If Ya Hear Me" zur Musik von Tupac Shakur auch am Broadway auf der Bühne.

Musikalisch startete der Mann sowieso mit einem Jackpot in die Karriere: Sein im vormals futuristischen Jahr 2001 (Stichwort: Stanley Kubrick und "A Space Odyssey") erschienenes Debütalbum "Amethyst Rock Star" wurde von Rick Rubin produziert, sein nach einem titellosen Nachfolger 2007 an David Bowie andockender dritter Streich "The Inevitable Rise And Liberation Of NiggyTardust!" im Joint Venture mit Trent Reznor von den Nine Inch Nails.

Taumeljahre und Jazz

Gemeinsam wurde nicht nur für eine Art Industrial-Hip-Hop gesorgt, sondern auch eine Vorreiterrolle im Kampf gegen die Musikindustrie eingenommen, die mit einem (Bezahl-)Modell für legale Downloads auf ähnliche Bemühungen wie jene von Radiohead setzte, finanziell aber nicht aufgehen sollte. Karrieretechnisch etwas richtungslose Taumeljahre um Alben wie "Volcanic Sunlight" folgten, aber auch ein Duett mit Janelle Monáe und weitere Gedichtbände.

Zuletzt sorgte Saul Williams erst im Vorjahr für eine handfeste Überraschung. Gemeinsam mit dem amerikanischen Saxofonisten und Bassklarinettisten David Murray kam ein waschechtes Jazzalbum zu Ehren des 2014 verstorbenen Bürgerrechtsaktivisten und Schriftstellers Amiri Baraka auf den Markt. Darauf remixte Williams Themen, die 2016 bereits auf seinem Album "MartyrLoserKing", seiner elektronisch grundierten sogenannten "Rückkehr zu Form", auf der Agenda standen. Dieses Album wiederum war der Auftakt einer Trilogie, deren zweiter Teil unter dem Titel "Encrypted & Vulnerable" nun vorliegt und im kommenden Jahr auch mit einer Graphic Novel und einem Musical unter Eigenregie weitererzählt werden soll.