Aber nicht nur damit erinnert Saul Williams an die derzeit unbestrittene Wortführerin der Spoken-Word-Szene, also an seine britische Kollegin Kate Tempest, die genreübergreifend zwischen Konzert, Slam, Theater sowie Lyrik- und Romanveröffentlichungen agiert und sich (sozial-)realistisch an der Verlorenheit einer Generation, dem Brexit und einem zerbröselnden Europa abarbeitet. Nicht ganz so radikal wie auf ihrem aktuellen Album "The Book Of Traps And Lessons", aber doch, folgt auch Saul Williams aktuell der Tendenz, die Musik selbst in den Hintergrund treten zu lassen. Immerhin gibt es eine Menge zu erzählen.

Seine kulturhistorische Brücke von der Pionierarbeit der Last Poets ab Ende der 1960er Jahre über das Werk des Soul-Jazz-Poeten Gil Scott-Heron zum politisch wachsamen Hip-Hop von Public Enemy und ihm selbst nachfolgenden Acts wie Kendrick Lamar schlägt Williams gleich im Eröffnungsstück "Coronation As Harness", in dem er die menschliche Vernunft nach anfänglicher Outer-Space-Frickelei zu verwaschenen Klangspuren und restjamaikanischen Bläsersätzen im Orbit gestrandet sieht. Über das vorsichtig Trip-hafte des Sounds ist zu bemerken, dass das Album vom mystischen kalifornischen Zeremonienmeister Gonjasufi ("A Sufi And A Killer") gemischt worden ist.

Lose Storyline

Vieles bleibt angedeutet, als Fragezeichen in den Raum geworfen, minimalistisch, fragmentarisch. Als Echo der Jazz-Annäherung des Rappers presst Christian Scott die eine oder andere blaue Note aus seiner Trompete. Es geht im aktuellen Projekt auf dem Papier um das Leben im Zeitalter des Internets im Allgemeinen und - entlang einer losen Storyline - die fiktive Geschichte einer Hackergruppe aus Burundi im Speziellen. Und neben ungezügeltem Kapitalismus, Kriegsgefahr oder dem metaphorischen Delete-Button als Damoklesschwert geht es im Rahmen der auf "MartyrLoserKing" eingeführten Analogie zwischen der Ernte von Baumwolle und jener von Coltan nicht zuletzt hin zu einer kaum kryptofeministischen Forderung: "Death to the patriarchy!"

Auch ein literarisch interessanter stummer Schrei nach Liebe ist mit dabei ("Dare"). Am Ende sind es aber die unrund machenden Zeilen, die als Echo nachhallen dürften - Verwundung inklusive: "I can’t fight everything / But I will if I have to."