RAF Camora beim Festival "Rock am Ring" auf dem Nürburgring. - © Franck,Patrick/Action Press/picturedesk
RAF Camora beim Festival "Rock am Ring" auf dem Nürburgring. - © Franck,Patrick/Action Press/picturedesk

Wien. Und das hörst du dir wirklich gerne an oder ist das alles nur ein großer Spaß? So in etwa könnte die Frage lauten, die verdutzte Eltern ihren Kindern stellen, die sich zuhause in ihren Zimmern Lieder der der österreichischen Rapper "RAF Camora" oder "Money Boy" anhören oder begeistert zu deren Konzerten pilgern.

Dass Österreichs Musikszene der restlichen Welt in der Regel hinterher hinkt, ist kein Geheimnis. Große Ausnahme: Überflieger Falco. Der Musiker kletterte mit seinem rockbeeinflussten Sprechgesang die Erfolgsleiter Stück für Stück nach oben und prägte vor allem auch die restliche Musikwelt. Insbesondere beim Rap leistete Falco Pionierarbeit, weil er diesen mit anderen Genres wie Hip-Hop und Funk kombinierte. Schon seit einiger Zeit reüssiert nun eine weitere Generation junger Wiener Rapper, welche die Musikwelt nicht nur in Österreich aufmischt, sondern vielmehr in unseren benachbarten Ländern große Erfolge feiert.

Zwei Namen haben sich in den letzten Jahren zwischen der Schar motivierter Jung-Musiker emporgetan und obgleich fragwürdigen Stils zu Stars mit Millionengehalt entwickelt. "Money Boy" ist inzwischen schon fast ein alter Hase im Musikbusiness. Als dieser 2010 seinen Song "Dreh den Swag auf" als Cover von "Turn My Swag on" des amerikanischen Rappers Soulja Boy veröffentlichte, war man sich nicht ganz sicher, ob der Wiener sich einen Spaß erlaube oder gar ein Sozialexperiment startete. Zu schief war der Sprechgesang, zu inhaltslos die Texte, zu peinlich die Videos mit protzigen Goldketten und ausgeborgten Ferraris. Ob Sebastian Meisinger, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, vielleicht nur versuche, zugespitzt den Interessen der Jugend zuzuarbeiten und dies lukrativ auszunutzen? Immerhin verfügt Meisinger sogar über einen Universitätsabschluss, woraus Kritiker resultierten, dass es sich nicht um ernsthafte Versuche handeln könne, musikalisch Fuß zu fassen.

Jugendkultur geprägt

Mittlerweile sind zahlreiche Alben erschienen, Touren wurden bis auf aggressive Zwischenfälle mit dem Publikum, auf die sogar eine Namensänderung folgte (und wieder zurückgenommen wurde) erfolgreich absolviert. All jenen Skeptikern zum Trotz ist "Money Boy" ein Fixpunkt der österreichischen Rapszene, der vor allem die Jugendkultur prägt. Neologismen, also neue Sprachschöpfungen, wie "I bims", "Gönn dir" oder "Vong" gehen auf Meisinger zurück. Das Video zu "Dreh den Swag auf" hatte bereits 2014 über 20 Millionen Klicks, die Single "Monte Carlo" (2017) überzeugte sogar hiesige Kritiker und auch finanziell dürfte sich der Job in der Musikbranche auszahlen.