St. Pölten. Ein buntes Farbmeer aus Zelten, hier in vorsichtiger Distanz zum Nachbarn aufgestellt, dort in schwindelerregender Schieflage Richtung Traisen. Tausende junge Menschen, die mit glitzerverzierten Wangen umherlaufen oder versuchen, der Hitze zu entkommen, indem sie ihre Camping-Sessel direkt im Flüsschen aufstellen. Und natürlich Musik, Musik, Musik. Diese dröhnt am diesjährigen Frequency-Festival auf sechs verschiedenen Bühnen über das Gelände.

Fans der Popcharts dürften zufrieden sein, wenn sich das Who-is-Who der aktuellen Musikszene von 15. bis 17. August in St. Pölten die Ehre gibt. Newcomerin Billie Eilish ist die erste große Headlinerin, die das Musikspektakel einleiten wird. Die 17-jährige Irin veröffentlichte erst Ende März dieses Jahres ihr Debütalbum "When We Fall Asleep, Where Do We Go?", das gekonnt Genrekonvention durch die Kombination von Pop-Melodien mit düsterem Sprechgesang bricht. Abgerundet wird der erste Tag durch den Auftritt des US-Duos "Twenty One Pilots". Berühmt wurden die beiden Musiker mit Songs wie "Stressed Out" oder "Blurryface", die eine Mischung aus Rock, Hip-Hop und Electro darstellen. Kaum verwunderlich also, dass Einzeltagestickets für den Festivalauftakt bereits längst ausverkauft sind.

Sechs Bühnen zur Auswahl

Am Freitag dürfen sich die Besucher dann auf schwedische DJ-Sounds freuen. Von der "Swedish House Mafia" wird man unter anderem den Hit "Don’t You Worry Child" erwarten dürfen. Das Programm auf der "Space-Stage" an diesem zweiten Festival-Tag steht allgemein im Zeichen des Sprechgesangs, denn weitere Acts werden der deutsche Sänger "Trettmann" und der amerikanische Rapper "G-Eazy" sein. Wer mit diesem Musikgeschmack nicht viel anfangen kann, hat die Möglichkeit auf "Green Stage", "Weekender Stage" oder "Galactic Fortress" umzusteigen. So stehen den Besuchern tagsüber vier verschiedene Musik-Richtungen zur Auswahl. Nachts kann auf weiteren zwei Bühnen bis sechs Uhr früh weitergefeiert werden.

Beinahe 220.000 Personen wimmelten vergangenes Jahr auf dem Musik-Fest. Dass diese unterschiedliche Ansprüche in Bezug auf ihren Verbleib haben, ist nur logisch. Das Frequency bietet deshalb verschiedene Camping-Möglichkeiten mit variierendem Komfort für die Besucher, die einen Festivalpass für alle drei Tage erworben haben: Von Beduinenzelt über Holzhütte bis Bungalow - zu Preisen, die bis 500 Euro reichen. Festivalpässe für alle drei Tage waren bereits im April ausverkauft, sodass schon jetzt Tickets für 2021 zum Verkauf stehen.

Den letzten Auftritt auf der Hauptbühne liefern Samstagabend die belgischen Brüder Dimitri Anastasios und Mike Thivaios. Bekannt sind sie unter dem Namen "Dimitri Vegas & Like Mike". Vor ihnen wird der geheime Star des Festivals über die Bühne fegen: Rapper "Macklemore" gehörte schon letztes Jahr zum Hauptprogramm. Er überzeugte sein Publikum mit einer dynamischen Bühnenshow, bei der er auch im typischen Pelzmantel eine solide Vorstellung ablieferte. Umso überraschender sind die Inhalte seiner sozialkritischen Songtexte, die Drogenkonsum und gleichgeschlechtliche Ehe thematisieren. Auf der "Green Stage" hingegen liefert "The Offspring" ein Kontrastprogramm. Zu den berühmtesten Titeln der amerikanischen Punk-Rock-Band, die bereits 1984 gegründet wurde, zählt unter anderem "The Kids Aren’t Alright".

Um die Menschenmassen sicherer vom Festival- zum Campinggelände zu bringen, sollen heuer breitere Wege angelegt worden sein. Auch dieses Jahr wird die Bezahlung wieder bargeldlos mit Chip funktionieren. Ein kluger Schachzug, kann man wohl damit rechnen, dass so leichtfertiger konsumiert wird. Immerhin kann so der Verlust der Brieftasche am wackeligen Heimweg umgangen werden.