Ihr Debütalbum "We Slept At Last" erfüllte 2015 noch alle Rahmenbedingungen eines klassischen Singer/Songwriter-Albums. Auf ihrem mittlerweile dritten Studioalbum, "Any Human Friend", überrascht Marika Hackman nun mit einem ambitionierten Popentwurf, der nicht nur Indiepop, Noiserock, Folkrock, elektronisches Flirren und Fiepen und elegische Streicher mit viel Pop-Appeal unter einen musikalischen Hut bringt, sondern auch selbstbewusst und offenherzig die unterschiedlichen Spielarten weiblicher Sexualität und die längst überholten männlichen Verhaltensweisen zum Thema von Songs macht. Es gibt derzeit wohl keine Künstlerin, die das moderne Frau-Sein besser hör- und fühlbar macht als die siebenundzwanzigjährige Britin.

Das Albumcover von "Any Human Friend" zeigt Marika Hackman sehr spärlich bekleidet - sie trägt nur Socken, eine Unterhose und hält sich ein Ferkel vor ihren Busen - und ist nicht nur eine Anspielung auf die Fotografien der niederländischen Fotokünstlerin Rineke Dijkstra, die Mütter in ähnlicher Pose zusammen mit ihren Babys ablichtete, sondern ein Verweis auf die offenherzig-unverblümte und aufrichtig-ungeschützte Direktheit, mit der Hackman in ihren Texten Sexualität, Patriarchat und Rollenbilder aus weiblicher Perspektive betrachtet.

Sie tänzelt selbstbewusst und angstfrei auf dem schmalen Grat zwischen Selbstreflexion und Welterkenntnis und präsentiert mit ihren elf Songs einen weiblichen Mikrokosmos aus Schönheit & Schrecken, Angst & Euphorie, Sanftheit & Ruppigkeit, Empfindsamkeit & Kälte, Schamlosigkeit & Verletzlichkeit. Während die Songtexte mit einer rauen, schamlos-direkten Sprache ganz unverblümt zur Sache kommen - "I dig for life in the eye of my thighs" - überrascht die Produktion von David Wrench (The XX, Frank
Ocean) mit ihrem vielfältigen Sound und ihrer außergewöhnlichen Instrumentierung (neben verzerrten E-Gitarren und flächigen Synthesizern kommen auch Streicher und ein Theremin zum Einsatz). Songs wie "Hand Solo", "All Night", "Blow" und "Conventional Ride" generieren nicht nur aufgrund ihrer expliziten Texte große Aufmerksamkeit, sondern auch wegen ihrer cleveren Verknüpfung von komplexer Musikalität und großer Eingängigkeit.