Zugegeben, leibhaftig war der Präsident der USA nicht in der niederösterreichischen Hauptstadt vertreten. Seine Präsenz war dennoch zu spüren, zumindest atmosphärisch. Wie passend, dass das US-amerikanische Oberhaupt an diesem Freitag mit einer weiteren großspurigen Idee von sich reden macht. Der ehemalige Immobilienbänker gedenke, die Insel Grönland zu kaufen. Wirklich eine ganze Insel. Ihm dürfte entgangen sein, dass der Kolonialismus in Europa seit etwa 200 Jahren vorbei ist.

"Mit Geld kann man sich alles kaufen" - in etwa das wird sich Trump beim Schmieden seines neuen Investitionsplans gedacht haben. Beim Frequency-Festival in St. Pölten  herrscht eine ähnliche Einstellung. Während der reguläre Festival-Pass für drei Tage schon beachtliche 180 Euro kostet, konnten sich jene mit besonders hohem Comfort-Anspruch auch ein VIP-Ticket um etwa 300 Euro kaufen. Und dieses VIP-Ticket zahlt sich tatsächlich aus. Ein orangenes Bändchen am Arm eröffnet Musikbegeisterten nämlich ungeahnte Möglichkeiten. Trump würde aus den glitzernden Augen gar nicht mehr hinausblicken können, mit so viel Nachdruck werden hier soziale Hierarchien bestätigt.

Fade Gesichter auf der VIP-Tribüne

Da wäre zum einen der VIP-Bereich, den die restlichen Festival-Besucher gar nicht erst betreten dürfen. Per digitalem Chip am Handgelenk wird überprüft, ob auch tatsächlich Anspruch besteht, in die eingezäunten Flächen zu stapfen. Immerhin waren auch diese vor den kurzzeitigen Gewitterschauern nicht gefeit. Zahlreiche Jugendliche probieren ihr Glück, das Gerät könnte sich ja vielleicht täuschen lassen. Doch der rot aufleuchtende Bildschirm toleriert keine Ausnahmen, höhnisch blinkt ein dickes X in die enttäuschten Gesichter. Der VIP-Bereich bietet nämlich auch Zugang zur VIP-Tribüne, von der aus das gesamte Areal der Space-Stage überblickt werden kann. Das sind schon beeindruckende Bilder, wenn man beobachten kann, wie tausende Hände zu den Rhythmen des deutschen Rappers Trettmann auf und ab wippen oder die Menge auf Bitte des Musikers in die Knie geht, um im gewaltigen Sprungmeer gemeinsam in die Höhe zu schellen.

Ein Blick zur VIP-Tribüne, auf der fade dreinschauende Gesichter streng aufgefädelt nebeneinander sitzen, erzeugt da doch ein bisschen Unverständnis. Der ein oder andere Fuß tippt auf und ab, überschwänglicher wird‘s nicht. Eventuell ist der Wind ja schuld, der zieht nämlich dort doch kälter um die Ohren, nicht kalt genug, um sich unter die Menge zu mischen.