Hygiene auf höchstem Niveau

Apropos Geld. Auch bei den Musik-Acts stehen die Scheinchen im Mittelpunkt, damit muss man aber rechnen, welches Genre sonst, wenn nicht der Deutschrap, prahlt so mit seinen Reichtümern. "In meiner Tasche alles Lila", heißt es da in einem Song von Trettmann, der mit bürgerlichem Namen Stefan Richter heißt. Der kann aber auch gehaltvoller. "Grauer Beton" lautet der Name des Lieds, das Richter unter anderem performt. Dunkle Regenjacke, grau-metallische Kapuze, die am Kinn eng zusammengeschnürt ist, und eine rabenschwarze Sonnenbrille runden das distanzierte Image ab. Es passt zu dem Text, den er vorträgt. Denn in "Grauer Beton" spricht er offen und explizit über seine Herkunft. Der Rapper verbrachte seine Kindheit in Fritz Heckert, die damals die zweitgrößte Neubausiedlung in der DDR war und wo nach der Wende Träume nach Wohlstand der Einsicht über die desolate Lage in Deutschland wichen.

Was sich bei solchen Zeilen wohl die VIP-Gäste dachten? Gar nichts, lautet die Antwort, wenn sie sich zu der Zeit gerade auf das stille Örtchen zurückgezogen haben. Während auf dem übrigen Gelände Dixi-WCs aufgestellt wurden,waren die Klos im VIP-Bereich nämlich nicht nur mit Hightech-Funktionen ausgestattet (inklusive Sitzheizung, automatischer Wasserduschstrahl und Föhn), sondern auch nahezu schalldicht - den holzvertäfelten Wänden sei dank.

187 Straßenbande präsentiert Cranberries-Hit "Zombie"

Quasi zur Primetime kommt der nächste Act. Straßenbande 187 heißt die derzeit fünfköpfige Rap-Gruppe, die jetzt dem Publikum einheizt. Das können die Musiker aus Hamburg wirklich, denn bei keinem anderen Konzert sieht man so viele grinsende Gesichter. Man traut fast den eigenen Ohren nicht, als sie ihre Single "Millionär" anstimmen. Da wird tatsächlich der Cranberries-Hit "Zombie" im Refrain mit dem Rap-Text gesampelt. Mutig. Aber der interessante Mix zahlt sich aus. Das denkt sich vermutlich auch der Bursche im Ganzkörper-Bananenanzug, der seine Hüften energisch von links nach rechts schiebt. Passt zwar nicht zum Beat, aber das ist ja eigentlich auch nebensächlich.

Wenig später gibt dann auch noch US-Rapper G-Eazy sein Bestes. Der teilt sogar das Menschenmeer und versucht die beiden Hälften durch Schreiduelle aufzuputschen. Das gelingt ihm nicht so ganz, aber das könnte auch daran liegen, dass unterhalb der Bühne die Party auch ohne Moderator im vollen Gange ist. Das Bier schäumt, und die Gin-Tonics werden reihenweise über die anliegenden Bars geschoben. Etwa 10 Euro muss man für ein alkoholisches Getränk hinlegen. Also eigentlich ja nicht: Das Cashless System per digitaler Chip-Abbuchung hat die Bargeldzahlung nämlich gänzlich verdrängt, ausnahmslos.

Möchte man sich stattdessen alkoholfrei durch den Abend bewegen, werden etwa 5 Euro verlangt. Die zahlt man fast bereitwillig, "weil‘s eh scho‘ wurscht is" und sich der Weg durch die drängelnde Masse zu den Trinkwasserhähnen beinahe gefährlich gestaltet. Ein Moshpit jagt den nächsten, bei dem die Jugendlichen einander elektrisiert in einem Kreis tanzend anstoßen. Außerdem mangelt es sowieso an Trinkflaschen, die werden rigoros an den Eingängen abgenommen. Widerspruch zwecklos, es gäbe drinnen eh die Möglichkeit, sich etwas zu kaufen. Man könnte aber auch einen VIP fragen, ob er die Getränkebestellung übernimmt, denen stehen nämlich nicht nur eigene Wege zur schnelleren Fortbewegung offen, sondern auch gratis bereitgestellte und gekühlte Mischgetränke. Auf die Idee ist aber überraschenderweise keiner der Special-Guests eingegangen.