Wenn eine Band vom Rang Sleater-Kinneys mit gebührendem Abstand zum Vorgänger - diesfalls sind es vier Jahre - eine neue Platte veröffentlicht, dann ist es, als würde ein Monument reanimiert: Letzte Überlebende der Riot-Grrrl-Bewegung, der sich das Trio aus dem Staate Washington gleichwohl gar nie richtig zugehörig gefühlt hat. Eine der immer noch wenigen All-Female-Bands. Und eine der noch wenigeren Bands, die sich dezidiert zum Feminismus und linker politischer Schlagseite bekennen. Neben Ehrfurcht ging der Veröffentlichung des neunten Sleater-Kinney-Albums, "The Center Won’t Hold", allerdings auch Rumoren in den sozialen Netzwerken voran: Drummerin Janet Weiss gab via Twitter ihren Ausstieg bekannt.

Da waren die Aufnahmen allerdings schon im Kasten, sodass wir ein (vermutlich) letztes Mal die nunmehr also historische Sleater-Kinney-Besetzung mit Weiss und Corin Tucker sowie Carrie Brownstein erleben.

Der Titelsong und Opener spielt mit schönen Antagonismen: "I need something muddy / to cover up the stain." Ist also etwa die Mitte in einem selbst gemeint, die von Gegensätzen und Extremen zu Fall gebracht wird? Das beantwortet das Album nicht ultimativ, aber ausgeglichen klingt jedenfalls anders. St. Vincent hat als Produzentin mit der Verwendung elektronischer Mittel den sowieso latent nervösen Sound der Band mit einer neurotischen Anspannung infiltriert, die etwa auch Stücken wie "Reach Out", "Ruins" oder "The Dog/The Body" gut ansteht - und die auch gut mit den unterschiedlichen Gitarren Tuckers und Brownsteins korrespondiert.

Dass das abschließende "Broken" als fast meditative Klavierballade am stärksten aus dem Rahmen fällt, rundet das unrunde Bild nur zu stimmig ab.