Was ist noch Mainstream, was Underground? Beyoncé begeistert Kritiker, Indie-Acts stehen in den Charts. - © Kevin Mazur/Getty Images
Was ist noch Mainstream, was Underground? Beyoncé begeistert Kritiker, Indie-Acts stehen in den Charts. - © Kevin Mazur/Getty Images

Das ist die Realität. Das Problem von Pop ist, dass er (zumindest in der westlichen Welt, an die er sich weitgehend richtet) keine natürlichen Feinde mehr hat, sich gewissermaßen zu Tode gesiegt und damit auch jegliche Distinktionsfähigkeit verloren hat.

Es gibt aber auch die Fronten innerhalb der Popmusik, die früher noch Friktion generiert hatten, nicht mehr. Es gibt den Mainstream, der "die Codes der Pop-Kulturen assimilierte und zu allgemeinverständlichen Codes der herrschenden Untertanenkultur resignifizierte" (Diederichsen), als Feindbild der Bilderstürmer und Individualisten nicht mehr wirklich.

Universell verfügbar

Heute, wo Beyoncé Kritiker begeistert und Indie-Acts die US-Charts belagern, sind solche Blockbildungen absurd. Im Übrigen ist die Bipolarität von "Mainstream" und "Underground" ein sowieso etwas künstliches Konstrukt, das in der Gründer-Zeit von Punk, New Wave und der Independent-Label-Szene als Distinktionsmerkmal über Gebühr bemüht worden war. Es hatte davor, in den Zeiten von Hendrix, Doors, Led Zeppelin wie auch danach (Nirvana, Soundgarden, Nine Inch Nails & Co) kaum Validität. Dass "der Mainstream" Individualität und Dissidenz "aufsaugt", ist grundsätzlich kein gröberes Problem. Ein solches ist vielmehr die allzeitliche und universelle Verfügbarkeit von Pop für Alles und Jeden.

Pop wird, will er wieder Distinktion gewinnen und Bedeutung produzieren, nicht umhinkommen, sich seine Freunde genau auszusuchen. Kann Millionen Dollar kosten und wird daher eher nicht passieren. So kann sich Pop ein jeder herrichten, wie er/sie es braucht. Donald Trump ließ nach seinem Wahlsieg einen Kinderchor den Stones-Klassiker "You Can’t Always Get What You Want" für Hillary Clinton singen.

Nein, auch daran wird die Pop-Musik sicher nicht sterben. Sie für uns als Individuum sprechen zu lassen, wie es frühere Generationen zu halten pflegten, wird allerdings eine recht einsame Angelegenheit.

Nicht viele werden uns hören. Denn eine laute Stimme hat Pop nicht mehr.