Mit seiner geballten Ladung Funk und Soul zieht Maceo Parker ein Millionenpublikum in seinen Bann. Der inzwischen 76-jährige, würdige Vertreter von James Browns Erbe machte sein Saxofon zum Rhythmusinstrument. Die dichten, perkussiven Patterns von Browns Band wurden erst perfekt, als zum pumpenden Bass und funky Beat noch Parkers expressiven Saxofon-Soli kamen. Beeindruckend sind seine Diskografie als Bandleader und seine schweißtreibende Live-Energie. Dabei kokettiert er damit, dass er eigentlich gar kein Jazzmusiker sei, sondern ein "Funker", angelehnt an die Zeiten mit Brown und George Clinton. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" zeigt er sich im eleganten Anzug bescheiden, humorvoll und verschmitzt.

"Wiener Zeitung": Sie prägten den Funkstil des "Godfather of Soul", James Brown, wesentlich mit. Können Sie Funk definieren?

Maceo Parker:Funk ist für mich eine Einstellung, aber auch eine Gefühlssache. Musiktheoretisch gesprochen hörst du auf die synkopierte Seite des Beats. Das fühlt sich um einiges leichtfüßiger an als etwa beim Jazz. Gleichzeitig ist alles wieder geerdet. Nicht zuletzt geht es um den lockeren Hüftschwung. Für mich war die Metabotschaft von Funk immer Liebe. Außerdem geht es darum, gute Laune zu verbreiten. 98 Prozent Funk, 2 Prozent Jazz.

Mit 76 Jahren agieren Sie auf der Bühne noch sehr energetisch. Eine Folge Ihrer Liebe zur Musik?

Definitiv. Gute Musik hat heilende Wirkung. Musik hat mich immer wieder gerettet, wenn es mir schlecht ging. Sie ist meine treibende Kraft im Leben - neben der Liebe. Nicht umsonst habe ich am Valentinstag Geburtstag. Außerdem war ich schon immer sportlich, habe nie geraucht, getrunken oder Drogen genommen.

Ihr neues Album heißt also nicht umsonst "It’s all about love".

Ja. "Love" steht im Titel aller Songs, die ich dafür aufgenommen habe. Wenn wir auf der ganzen Welt im Geist der Liebe lebten, würden das Negative und die Gewalt verschwinden.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Die Band meines Onkels, The Blue Note, übte bei uns zuhause, ich war sechs Jahre alt und hörte fasziniert zu. Wenn sie Pause machten, um einen Kaffee zu trinken, setzte ich mich ans Klavier und spielte. "Der Kleine spielt unsere Songs, das ist ja verrückt", sagten sie. Aber ich konnte das tatsächlich nach Gehör spielen.

Warum der Wechsel zum Saxofon?

Schuld daran war die alljährliche Weihnachtsparade in Kinston, wo ich aufgewachsen bin. Als ich die Fanfaren der Blasinstrumente hörte, war ich hingerissen. Kellis, mein älterer Bruder, spielte bereits Posaune. Mein jüngerer Bruder Melvin lernte Schlagzeug. Als Teenager gründeten wir eine Band, die Junior Blue Notes. Wir haben sogar Geld mit unseren Auftritten als Vorgruppe meines Onkels verdient.