Diese Band ist aus dem Nichts aufgetaucht. Als sich die erste Verblüffung gelegt hatte, wurde sie - seht her, das haben wir in Österreich auch! - schnell und gerne als "Supergroup" apostrophiert. Ihr Full-Length-Debüt "And To In A" ist eines der am ehrfürchtigsten gehandelten Alben hiesiger Provenienz, ist für Preise wie den "Amadeus" nominiert worden und kann prestigeträchtig für sich verbuchen, profane statistische Bilanz-Instrumente wie die Charts nicht einmal angestreift zu haben. Dafür haben sich 5K HD aber schnell als Live-Attraktion für Festivals im avancierteren Pop-, Jazz- und Avantgarde-nahen Bereich profiliert.

5K HD sind die Fusion des angesehenen und durchaus erfolgreichen Freestyle-Quartetts Kompost 3 und der Sängerin Mira Lu Kovacs, die mit Schmieds Puls mit intensiven, hochemotionalen Songs im weiten Feld zwischen Folk und Rock von sich reden gemacht hat. Eine gemeinsame Single, "Anthem", reichte, um einen Funken zu entzünden, der - bildlich gesprochen - einen Flächenbrand entfacht hat. Als dann "And To In A" mit Lobeshymnen überschüttet wurde, war klar, dass dies nicht die einzige kreative Manifestation der Kooperative bleiben würde. "Das macht viel zu viel Spaß, als dass das jetzt alles gewesen hätte sein können", erklärte Kovacs vor ziemlich genau einem Jahr (anlässlich des Schmieds-Puls-Albums "Manic Acid Love") der "Wiener Zeitung".

Es fließt und mäandert

"Schön ist auch: Hier darf ich ganz anders sein. Ich bin zwar schon Frontfigur, wie das unvermeidlicherweise bei einer Sängerin so ist, aber nicht die Einzige, die eine Geschichte erzählt. Bei 5K HD erzählt jeder Einzelne eine Geschichte." Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs waren die Aufnahmen für das nun veröffentlichte zweite Album von 5K HD bereits in vollem Gange ("Ich teile mich gerade durch fünf", so Kovacs damals). Anders als der Erstling ist "High Performer", so sein Titel, also weniger das Resultat eines kreativen Ausbruchs als eines längerfristigen Reifungs- und Entwicklungsprozesses. Ungefähr daran lassen sich auch die atmosphärischen Unterschiede zwischen Album eins und zwei ausmachen. "High Performer" geriert sich bei Weitem nicht so angespannt und vibrierend wie der Erstling, sondern fließt, mäandert, breitet sich aus und gönnt sich dabei gerne den einen oder anderen Moment Gelassenheit.

Dabei haben sich die musikalischen Determinanten nicht wesentlich verändert: die gefühlvolle Trompete, die burlesken Keyboards, das mächtige Schlagwerk von Drums und Percussion, das manche Stücke regelrecht zu vervielfältigen scheint. Nach wie vor mutet das Klangbild an, als habe ein listiger Gnom darin ungefähr zehntausend Samples versteckt - dabei ist alles handgemacht. Gleich am Anfang schießt in "10/15" ein fernöstliches Motiv - nicht unähnlich jener Art von Musik, die hierzulande chinesische Restaurants zu beschallen pflegt - über eine der unermüdlich über die ganze LP hinweg anrollenden Synthie-Wellen. Ein elek-tronisches Gewitter entlädt sich am Beginn von "Selfish Lover".

Keine Plattitüden

"High Performer"-Albumcover.
"High Performer"-Albumcover.

"In, Out" ähnelt, dissonant, aufrührend, insistent, rhythmisch gebrochen, am stärksten der Musik, wie man sie vom ersten Album kennt. Und wahrhaftig "Effortlessly", also mühelos (so einer der zehn Titel), klettert Kovacs’ Stimme in höchste Register, einmal (am Ende von "How Can I Be") auch lustig auf Mickey-Mouse-Gequieke hochgepitcht. Am Ende aber, beim abschließenden "Kill Your Rituals", gilt: alle Regler nach unten.

Inhaltlich richtet sich das Album gegen jene besondere Form eines im wahrsten Wortsinn schnelllebigen Kapitalismus, die sehr zutreffend mit dem Präfix "Turbo-" benannt und auch im LP-Titel "High Performer" repräsentiert ist. Es spricht für Kovacs’ Texte, dass sie solche "Kapitalismuskritik" nicht in Form flugblatttauglicher Agitprop-Plattitüden formuliert, sondern - da ja bekanntlich das Politische das Private überlagert - aus der Perspektive alltäglicher Beziehungen beschreibt.

Diese stellen sich, wenig überraschend, als brüchig (oder bereits zerbrochen), unsicher und irgendwie nebulös dar. Trost-, aber sicher nicht zwanglos: "I can’t make you like me, baby / but I can make you need me, baby / I can’t make you want the same thing / but I can make you need me, really."