Unter Überproduktionsverdacht im herkömmlichen Sinn steht diese Band nicht. Dass nur fünf Alben in 26 Jahren und zuletzt eine 13-jährige Veröffentlichungspause, aus der sie soeben mit dem Album "Fear Inoculum" zurückgekehrt ist, so etwas wie die Kunst der Verknappung in Reinkultur demonstrieren würden, kann man allerdings auch nicht behaupten. Denn wenn das US-Quartett Tool herniederkehrt zu seinen Jüngern und gibt, dann gibt es mächtig.

Immerhin kommt das zuletzt im Juni auch live in der Wiener Stadthalle in Auszügen vorgestellte neueste Opus magnum als knapp eineinhalbstündiger Ziegel mit sieben Songmonolithen (und drei in der Digitalvariante ergänzten Instrumentals) daher, die sich gut und gerne 15 Minuten pro Einheit Zeit lassen, um ihre Wirkung zu entfalten. Weil sich der Breitwand-Alt-Metal der Band nicht zuletzt vom klassischen Prog-Rock zumindest beeinflusst zeigt, das (optische und konzeptionelle) Beiwerk also ebenso zentral ist wie derzeit vielleicht die Notwendigkeit, den Zeitverlust und Produktionsaufwand zu refinanzieren, kommt der physische Release außerdem als gewaltig aufgedonnerte CD-Box daher, die sich Tool 80 Euro plus kosten lassen.

"Fear Incolum"-Albumcover.
"Fear Incolum"-Albumcover.

Musikalisch erlebt man eine Konsolidierung aller Kerncharakteristika und deren Update ohne Zugeständnisse an einen wie auch immer gearteten Zeitgeist. Und wie zuletzt im Konzert, stehen die Instrumentalisten auch auf dem Album in der ersten Reihe: Adam Jones würgt die Gitarre im motorischen Zusammenspiel mit Justin Chancellors Protobass, der mit Danny Carey wiederum auf eine Mensch-Maschine in Gestalt eines Galeerentrommlers im Basketballtrikot trifft. Dazu exorziert Sänger Maynard James Keenan vor allem innere Krisen um die im Albumtitel erwähnte Angst, die auch dafür verantwortlich ist, dass metaphorische Krieger auf dem Schlachtfeld Stellung beziehen - und der ausgetragene Kampf zumindest an einer Stelle als einer um die eigene Karriere erkennbar wird: "Warrior struggling to remain relevant."

Auch wenn etwa über die Notwendigkeit eines auf CD gepressten Schlagzeugsolos natürlich diskutiert werden kann, scheint diese Schlacht nicht nur im Sinne der beschworenen "Litanie contre la peur" gewonnen. Tool, erbarme dich unser!