Seine wallenden Haare hat er vor einigen Jahren gekürzt und seinen Vollbart getrimmt. Mittlerweile gleicht Devendra Banhart mehr einem soignierten Freigeist als einem spirituellen Waldschrat. Trotzdem verströmt der 38-jährige Troubadour weiterhin die Aura eines Grandseigneurs der mit tiefer Überzeugung und heiterer Gelassenheit gelebten Form der Hippiekultur.

Der Exzentriker mit Stil strebt mit seiner Musik auch im Jahr 2019 noch jene Form von Kunst an, die als Medizin für die Gesellschaft wirken soll. Zwar sind die Songs auf seinem neuen Album, "Ma", weniger von versponnener Privatsymbolik durchdrungen und mehr von philosophischer Welterkenntnis geprägt - Ungreifbarkeit, Unvorhersehbarkeit und sein humorvoller Eklektizismus blieben aber erhalten.

Bei der Vielzahl seiner musikalischen Referenzgrößen - die Liste reicht von Kevin Ayers, Nick Drake und Leonard Cohen über Caetano Veloso und Gilberto Gil bis zu Ali Farka Touré und Nusrat Fateh Ali Khan - tut man sich schwer, alle und vor allem die Richtigen zu nennen. Die Folk-Ikone Vashti Bunyan darf und muss man aber zweifellos als seine größte und beständigste Inspirationsquelle anführen, und so findet sich auf "Ma" mit "Will I See You Tonight?" auch ein Song, auf dem Bunyan ihren Schüler auf ganz unverwechselbare Art unterstützt.

Banhart gelingt mit seinen neuen Songs die Zusammenführung von allerlei Seltsamkeiten und Widersprüchen. Er klingt hier einerseits verwirrend, waghalsig und schwer greifbar, andererseits unaufdringlich, unaufgeregt und heiter-gelassen. Auch wenn die Geschichten, die der venezolanisch-amerikanische Musiker uns erzählt, mitunter sehr persönlich geprägt sind - von Mutterschaft über Mutterliebe bis zu Mutter Erde reicht der thematische Bogen -, entfalten die Songs letztlich eine universelle Wirkung.

Die musikalischen Arrangements mit Streichinstrumenten, Holzbläsern und Keyboards und die sehr oft zurückgenommene, sanft-wispernde Stimme Banharts unterstreichen den luftigen und fragilen Ton, der das Album prägt.