Was ist von der Wiederkehr einer Band zu erwarten, die vor drei Jahrzehnten mit einer explosiven Mischung aus Surf-Pop-Belcanto und Psycho-Noise Maßstäbe für Folgegenerationen und eine ganze Stilrichtung (Grunge) gesetzt hat? Die Pixies schienen Geschichte zu sein, nachdem sie 1993 den Stecker gezogen hatten. Und immerhin brachte ihr Sänger und kreativer Kopf, Black Francis, als Frank Black mit wechselnden Begleitbands einen respektablen Output zustande. Erst recht Bassistin Kim Deal mit ihren Breeders.

Ab 2004 hat sich das Quartett aus Massachusetts für einzelne Auftritte wieder zusammengetan. Bei solchen gelegentlichen Reunion-Gigs wollte Deal es auch belassen. Wie sich aber allmählich herausstellte, drängte es die drei anderen Mitglieder zum Fulltime-Comeback mit neuen Platten. Und tatsächlich öffneten sich, nachdem Deal 2013 der Band endgültig den Rücken gekehrt hatte, wieder die Studiotüren.

Allerdings haben die LPs "Indie Cindy" (2014) und "Head Carrier" (2016) bei früheren Fans und ihren einstigen besten Verbündeten, den Kritikern, alles andere als Begeisterung ausgelöst. Die Band dürfte das indes nur wenig gekratzt haben, denn für die Neuauflage der Pixies mit Bassistin, Sängerin und Co-Songschreiberin Paz Lenchantin an Deals Stelle gelten dezidiert andere Prioritäten als die Begeisterung von Meinungsmachern und Trendies.

Wie Black Francis, der bürgerlich auf den Namen Charles Thompson hört, in einem Interview recht offen einräumte, steht nun Zählbares im Mittelpunkt des Interesses: "Wir verdienen jetzt gutes Geld mit den Pixies, viel mehr als in unserer ersten Inkarnation. Ich habe Familie, ich habe Kinder, und Tourneen trennen mich von ihnen. Das könnte ich für eine Solo-Platte, die vermutlich bestenfalls den Break-even machen wird, nicht wirklich rechtfertigen." Diese Disposition und die Enttäuschung mit den Vorgängerplatten sind nicht angetan, hohe Erwartungen an das dritte Opus der reformierten Pixies zu wecken. Etwas überraschenderweise aber ist "Beneath The Eyrie" deren bisher beste Arbeit.

Grundelnde Gitarre

Aufgenommen wurde das Album, dessen Entstehung ein Podcast begleitet hat, in einer zum Studio umgebauten Kirche in Woodstock, New York. In deren Nähe fiel Drummer Dave Lovering eines Tages ein Adlerhorst - auf Englisch "eyrie" - auf. Wohl bewusst die phonetische Ähnlichkeit mit dem englischen Wort für "unheimlich" ("eerie") ins Kalkül ziehend, schlug Produzent Tom Dalgety "Beneath The Eyrie" als LP-Titel vor. Dass sich obendrein die winterliche Umgebung mit Nebel, Sümpfen und einem Kreuz mit nur einem Querbalken laut Thompson wie das Setting für einen Horrorfilm ausnahm, ist wohl mit ein Grund für einen dezenten Goth-Einschlag des Albums.

Dieser äußert sich etwa in der Geschichte der "Catfish Kate", die von einem riesigen Wels unter Wasser gezogen wird und mit ihm kämpft. Deutlich parodistischer - die gar schröcklich unheilbringende Protagonistin hat "Augen wie fliegende Untertassen" - nimmt sich die musikalisch in Standard-Alt-Rock-Design gehaltene Vorab-Single "On Graveyard Hall" aus. Um realen Horror geht es dagegen in "Long Rider" und "Los Surfers Muertos", die beide maßgeblich von Bassistin Lenchantin mitgeschrieben wurden, den Tod einer Surfer-Freundin aufzuarbeiten versuchen und gut von Joey Santiagos eleganter Leadgitarre leben.

Mit einem Leben nach dem Tod spielen die ruhige, stimmige Ballade "Daniel Boone" und auf gewisse Weise - symbolisch - auch "Bird Of Prey", der musikalische Höhepunkt des Albums: Eine bewusst traditionalistisch gehaltene Annäherung an Rockabilly und Rock ’n’ Roll, die Thompson gerne auf seinen Solo-Platten versucht hat, ihm aber noch nie so gut gelungen ist wie hier mit spektakulär grundelnder Gitarre und leicht ironischem Nick-Cave-Schmelz: "You buried me, but I came back / You’ve stolen my tomorrow / so I come for it today / You stole it when you stole my yesterday" heißt es hier - zweifelsohne das Zeitgefühl in etwas schwindelerregender Weise herausfordernd.