Und dann der erste Sound. Schickdummdabadaduhmm.

Hat jemals eine Platte besser angefangen?

Nein, ich möchte jetzt nicht zum Musiktheoretisieren anfangen. Es gilt der alte Spruch: Reden über Musik ist wie Tanzen über Architektur. Und er stimmt. Auch wenn ich - vor allem spät nachts - schon so manche Skyline gesteppt hab.

Ich möchte nur über diese Platte sprechen. Ich bin etwa so alt wie die Platte. Deswegen möchte ich auch objektiv und nüchtern sein: Es ist die beste Platte der Welt. Von der besten Band der Welt. Schön, dass wir das jetzt geklärt haben.

Die Platte hat mich begleitet durch die Stürme der Pubertät und mich gegen Rick Astley und Bananarama immunisiert. Durch die Eiswüsten der Adoleszenz, in denen ich nicht gewusst habe, wie und warum man noch cooler sein sollte als alle anderen. Sie hat mir in einsamen Stunden das Herz gewärmt, und wenn ich etwas zu feiern hatte, dann habe ich es mit dieser Platte getan.

Aber wir wollen beim Anfang anfangen. Beim Cover.

Das Cover ist schon ikonografisch. Hundert Mal zitiert und bearbeitet. Ob von den Red Hot Chili Peppers, den Simpsons oder für das Plakat für den Film "Yesterday". Wenn man optisch die Beatles zitieren will, werden zehn von zehn Grafikern zum Cover von "Abbey Road" greifen. Vier Männer gehen über einen Zebrastreifen. Und der Zebrastreifen ist wohl der einzige Zebrastreifen der Welt, der unter Denkmalschutz steht.

Und jetzt legen wir die Platte auf den Plattenteller, setzt den Tonarm auf, und man hört: Schickdummdabadaduhmm. Zackazackaza. Schickdummdabadaduhmm. "Come Together" ist so etwas Ähnliches wie Funk und enthält Lennons beste Textzeile "got to be good looking cause he’s so hard to see".

Ein lustiges Mörderlied

Die zweite Nummer ist jene, von der sogar Frank Sinatra gesagt hat, sie wäre eins der schönsten Liebeslieder überhaupt. Wer bin ich, Frank Sinatra zu widersprechen? Und das Lied, "Something", ist von George Harrison. Jenem Beatle, der die schönsten Songs der Band komponiert hatte. Hätte man ihm nur zwei Jahre vorher die Sitar weggenommen, dann wären es noch mehr geworden.

Um die musikalische Breite weiter aufzufächern, kommt jetzt ein Kinderlied über einen Serienmörder. Ohne den Text zu verstehen, hab ich schon als Fünfjähriger aus vollem Hals mitgesungen: "Bang bang Maxwell’s silver hammer came down upon her head!" So schön kann ein Massaker klingen.

Dann folgt der inhaltliche Kontrapunkt zu "Something". Bei "Oh! Darling" packt Paul McCartney stimmlich alles aus, was er draufhat. Man sieht ihn förmlich vor dem Fenster der Geliebten im Regen stehen und hinauf plärren: "I’ll never do you no harm!" Dann die nächste 180-Grad-Wende. Nachdem Paul McCartney nicht erhört wurde, geht es Ringo Starr dafür umso besser. Im Garten des Oktopus. Der ultimative Happy-Peppi-Song. Ein Lied von vor der Zeit, als die Meere mit Plastikmüll zugeschüttet worden sind. Hier kann man sich unter seinem Niveau und unterhalb des Meeresspiegels sehr wohlfühlen.