Kiew hat sich durch seine Musik- und Techno-Szene schon den Ruf eines "zweiten Berlins" erworben. Aber Hip-Hop ist hier vor allem männlich geprägt. Gerade im Netz, das ihren kometenhaften Aufstieg erst ermöglicht hat, wurde Sawranenko angefeindet. "Eine Frau sollte besser Borschtsch kochen statt rappen", war da noch einer der freundlicheren Kommentare. "Spring wieder zurück ins Wasser, von wo du hergekommen bist, du Nilpferd", ein anderer. Darauf angesprochen, lacht sie nur. "Ich denke, dass es den Leuten ja gerade gefällt, dass ich mich nicht dafür schäme, so zu sein, wie ich bin", sagt sie. Nachsatz: "Außerdem wollte ich beweisen, dass auch Mädchen verdammt gut rappen können."

Den Hip-Hop hat Sawranenko schon als Kind für sich entdeckt, zuerst mit Coolio und dann mit Eminem. Ihre Texte heute haben aber so gar nichts mit den düsteren Visionen der US-Vorstädte zu tun. Bei ihr geht es um Toleranz, Reizüberflutung in den sozialen Medien oder die Sehnsucht nach der Heimat. Wie ihr Hit "Salyschaju swij dim", "Ich verlasse mein Zuhause", über das Verlassen der Provinz (3,5 Millionen Klicks auf YouTube). Als sie den Song bei ihrem Konzert in Kiew anstimmt, singen tausende Fans aus voller Kehle mit. Bodenständig, fast bieder, statt großer Attitüde um Sex, Drogen und Geld, die nur noch als ironische Zitate vorkommen.

Kühe gemolken

"Wenn die Leute Erfolg haben, vergessen sie schnell, woher sie kommen", sagt sie. "Heute fühlen sie sich wie Gott, aber gestern haben sie noch die Kühe gemolken."

Heimat - das ist in der Ukraine sowieso so eine Sache. Umso mehr nach den Maidan-Protesten vor mehr als fünf Jahren. Dass sie als erste Frau auf Ukrainisch rappt, trifft den Nerv der Generation, die sich aus dem post-sowjetischen Erbe lösen will. "Seither wissen die Ukrainer ihr Land und ihre Sprache mehr zu schätzen", sagt sie. Sawranenko wurde 1991, dem Jahr der ukrainischen Unabhängigkeit, geboren. Russischer Rap ist heute zwar immer noch populär in der Ukraine, aber Sawranenko zieht es nach Westen, nicht nach Osten.

Ihre Tour führte sie im Sommer etwa zum Sziget Festival in Budapest oder zum Pop-Festival in Berlin, am Freitag, 27. September, tritt Alyona Alyona im Rahmen des Waves-Festivals im Wiener WUK auf. In Russland spielt sie keine Konzerte.

Politisch äußern will sie sich dennoch nicht. Nur so viel: "Wenn du unzufrieden bist, heul’ nicht tatenlos herum", sagt sie. "Sondern stell’ etwas auf die Beine."