Der Meinung, dass man den Hoff nicht hasseln soll, ist nicht zuletzt David Hasselhoff selbst. Das kommt in erster Linie daher, dass der Mann, der als Michael Knight in der Serie "Knight Rider" mit einem sprechenden Auto namens "K.I.T.T.", das eigentlich "Kumpel" hieß, im Auftrag der Foundation für Recht und Verfassung PS-stark auf der Straße und unter früher Zuhilfenahme Künstlicher Intelligenz zwar sehr erfolgreich für Gerechtigkeit kämpfte. Hallo, neben vielleicht noch dem "A-Team" im Panzerwagen oder den beiden auf ihren Motorrädern cool durch die weite amerikanische Weite brausenden Cops aus "CHiPs" gab es wenig, das Buben im Kindergarten- und Volksschulalter damals erfolgreicher dazu brachte, zumindest für ungefähr eine Dreiviertelstunde die Klappe zu halten. Tatsache: Für das Milieu der Erziehungsberichtigten unter besonderer Berücksichtigung unserer Mütter war David Hasselhoff allein schon aus Gründen, die mit Kunst überhaupt nichts zu tun hatten, definitiv ein sehr guter Mann.

Und als im Anschluss Frauen in Bademode (also überhaupt: Frauen!) langsam interessant zu werden begannen, stellte die Fernsehlandschaft mit "Baywatch – die Rettungsschwimmer von Malibu" und den David Hasselhoff in der Rolle des Mitch Buchannon zur Seite gestellten Kolleginnen um Shauni McClain (die aber leider schon einen Eddie hatte) und – etwas später – die heutige Tierschutz-Beauftragte Pamela Anderson ein interessantes Alternativangebot, obwohl der Titelsong im Vergleich zur "K.I.T.T"-Melodie natürlich gar nicht ging.

Dunkel erinnerte Vormittagsauftritte im ORF in Sachen "Wir zwei allein" und später eine Karriere im Sinne der Mitternachtseinlage auf als Festivals getarnten Trinkgelagen sorgten im Lebenslauf David Hasselhoffs als Sänger allerdings für gerne augenzwinkernd bejubelten lokalen Ruhm im "Wetten, dass. . ?"-Einzugsgebiet im Allgemeinen und der heimischen Nacht- und Einschicht im Speziellen – sowie für eitel uneitle Musikvideos mit billigen Blue-Box-Effekten und zweifelhaftem Coolnessfaktor hinter Stücken von "Do The Limbo Dance" oder "Crazy For You", den man bei Lizzi Engstler im "Wurlitzer" überprüfen konnte.


Dazwischen lauerte natürlich die hinter den sieben Bergen bei uns sieben Zwergen weltberühmte Coverversion von "Looking For Freedom", mit der 1989 unter Regie des Schlagerproduzenten Jack White (Roberto Blanco, Engelbert, Hansi Hinterseer) auch für die deutsche Wiedervereinigung angesungen wurde. Der Rest ist Geschichte.

Im Rahmen der Comebacktour mit dem Titel "Freedom! The Journey Continues" wird David Hasselhoff zum 30. Jubiläum des Mauerfalls am heutigen Tag der Deutschen Einheit folgerichtig erneut in Berlin auftreten. Und er wird auf großer Konzertfahrt zwischen Ludwigsburg, Innsbruck und Zürich abermals – und exklusiv! – die bewährte einstige "Wetten, dass..?"-Region fokussieren. Als Werbetestimonial eines Glücksspielkonzerns tourt "The Hoff" am Heck von insgesamt 18 Autobussen parallel dazu übrigens auch durch die Regionen Mistelbach, Apetlon, Bruck an der Mur, Maria Gail und Wös, Hoamatland.

Für die Konzerte um einen Termin in der Wiener Stadthalle am 10. Oktober darf man sich aber nicht nur eine Best-of-Setlist mit sämtlichen Hits erwarten, sondern auch Auszüge aus dem bereits zum Stream freigegebenen und im November auch auf CD erscheinenden ersten David-Hasselhoff-Album seit sieben Jahren. Auf "Open Your Eyes" setzt es Coverversionen zwischen Frank Sinatra ("That’s Life") und Udo Jürgens, dessen "Mit 66 Jahren" sich Hasselhoff realbiografisch zwar um ein Jahr zu spät annimmt. Dafür sorgen gehasselte Songs von David Bowie ("Heroes") oder Echo & the Bunnymen ("A Flock Of Seagulls") sowie ein Gastauftritt von James Williamson (The Stooges!!) für ein paar handfeste Überraschungen.

Hinsichtlich der Konzerte spricht die Zielgruppe bereits vorsorglich von "Kult". Uns skeptischen Zaungästen hingegen bleibt als letzte Instanz die Foundation für Recht und Verfassung.