Es schwebt herab Cheropatra. Die US-Sängerin ließ die Paillettentoga nicht lang an. - © APA/Hochmuth
Es schwebt herab Cheropatra. Die US-Sängerin ließ die Paillettentoga nicht lang an. - © APA/Hochmuth

Wenn ich dann mit meiner nächsten Abschiedstournee wiederkomme", sagte Cher einmal an diesem Abend. Und schaute ganz keck dabei aus ihrer grellblauen Cleopatra-Perücke heraus, so dass man mehr als gewillt war, zu denken, dass diese Frau ein Anrecht auf mindestens so viele Abschiedstourneen hat wie die Rolling Stones. Denn hat man je einen Mick Jagger so graziös im Pailletten-Spielhoserl über die Bühne schreiten gesehen?

Sehr viel von Chers Selbstverständnis beruht darauf, dass sie auch mit 73 Jahren noch ein sogenanntes heißes Gerät ist. Das weiß nun auch der Besucher vom hintersten Rang der Wiener Stadthalle, in der die US-Sängerin am Montag mit ihrer Tour "Here We Go Again" gastierte. Zum Song "Woman’s World" schwebte sie in einem Arabeskenrahmen auf die Bühne, wo sie von fröhlich hüpfenden römischen Soldaten in knappen Höschen in Empfang genommen wurde und sich alsbald die Paillettentoga vom Leib riss. Es kann kaum passiert sein, um mehr Bewegungsfreiheit für den 90er-Stampfer "Strong Enough" zu haben, denn von den mitunter doch recht banalen Rhythmen ihrer Songs lässt sich Cher am allerwenigsten aus der Ruhe bringen.

Nach zwei flotten Einpeitscher-Nummern legte Cher eine Plauderpause ein. Also, wie wenn die Oma bei Guglhupf und Tee mit Rum anfängt, ihre Anekdoten von früher auszupacken - nur dass die Oma diesmal irgendwie die Oberbekleidung vergessen hat und dafür sehr glitzert. Obwohl Chers Monolog unüblich lang für ein Pop-Konzert dieser Güte war, war er auch ein raffinierter dramaturgischer Schachzug. Denn in ihrer wild mäandernden Geschichte - "Ja, doch, ich komm dann noch zum Punkt, bisschen Geduld" - skizzierte sie ein Bild ihrer Persönlichkeit, das ihre hitparaden-maßgeschneiderten Lieder, die ohne ihre Stimme und Präsenz kein Songcontest-Halbfinale überleben würden, kaum zu zeichnen imstande sein können.

- © APAweb / Georg Hochmuth
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Was macht eure Großmutter heute so?

Sie erzählte in gelöst-amüsiertem Tonfall von einer unsicheren, aber gleichzeitig von ihrer eigenen Schönheit beeindruckten Frau. Von einer Frau, die von Zurückweisung nicht weniger als zerschmettert wird. Von einer Frau, die sich geniert, Kraftausdrücke im Fernsehen zu sagen. Von einer Frau, die trotz ihrer Berühmtheit Schulden hatte, und deswegen auch einmal die Frechheit hat, für ein Interview einen Haufen Geld zu verlangen. Und schließlich von einer Frau, die es sowohl unterhält als auch befremdet, dass die Leute immer klatschen, wenn sie ihr Alter nennt - "vielleicht weil sie überrascht sind, dass ich noch lebe?" Und dann nannte sie, nach einem kurzen Schnaufen der Überwindung - Cher hat übrigens auch einmal einen Oscar bekommen, nicht vergessen an dieser Stelle - ihr Alter: "Ich bin 73", sagte sie und nahm den Applaus wohlwollend entgegen. Und dann fragte sie kess in die Runde: "Und was macht eure Großmutter heute so?"