Zum vorliegenden Sachverhalt ist sich die versammelte Weltphilosophie einig. "Wenn alles still ist, geschieht am meisten" (Søren Kierkegaard), "Die größten Ereignisse - das sind nicht unsere lautesten, sondern unsre stillsten Stunden" (Friedrich Nietzsche) oder "Die größte Offenbarung ist die Stille" (Laotse) sind an erster Stelle zu nennen. Aber auch der Sufi-Mystiker Rumi ("Stille ist die Sprache Gottes") oder der große bayerische Humor-Weise Karl Valentin fallen einem ein - Letzterer auch angesichts der langsam wieder dräuenden (Vor-)Weihnachtszeit: "Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch endlich wieder ruhiger."

Interessant an der Stille ist nicht nur, dass es Geräusche braucht, um sie im Film darzustellen - die tickende Uhr oder einen tropfenden Wasserhahn beispielsweise. Nicht zuletzt wurde sie auch in Songs verewigt, die zum Stillsein der Welt eher nicht beitragen. Im kollektiven Gedächtnis abgespeicherte Klassiker stammen mit "Enjoy the Silence" von Depeche Mode ("Words are very unnecessary / They can only do harm") oder mit dann eh recht trefflich zurückgenommenen Folksongs um den Welthit "The Sound of Silence" von Simon & Garfunkel.

Björk hat sich mit "It’s Oh So Quiet", das auf "Und jetzt ist es still" ("Psst!") des österreichischen Komponisten Hans Lang von 1948 zurückgeht, ebenso in die diesbezügliche Kulturgeschichte eingeschrieben wie Ariana Grande, die mit ihrem Song "Ghostin" erst heuer ein Netzphänomen besang, das - nicht ganz im Sinne Led Zeppelins ("Communication Breakdown") - abrupt beendete Freundschaften umschreibt, die sozusagen der Stille zugeführt wurden.

Die sehr gerne sehr lauten Queens of the Stone Age haben die Lacher mit dem Album "Songs for the Deaf" von 2002 auf ihrer Seite. Und man erinnert sich, dass im Jahr 2000 ausgerechnet auch die alte Lärmavantgarde in Gestalt der Einstürzenden Neubauten aus Berlin mit dem Album "Silence is Sexy" für Aufruhr sorgte, ehe es im gleichnamigen Titelsong sehr zur Erleichterung der Zielgruppe gottlob aber eh "Silence is not sexy at all" hieß.

Blixa Bargeld sollte noch weitere 13 Jahre der Sesshaftwerdung benötigen, ehe er sich an der Seite des Komponisten Teho Teardo endgültig dem "Quiet Life" annäherte. Und über den großen kanadischen Songwriter Leonard Cohen ist bekannt, dass er während seiner Auszeit aus Gründen der spirituellen Sinnsuche selbst im Zen-Kloster so zurückhaltend war, dass er den Ordensnamen "Jikan" ("Der Stille") bekam.