Hat im Lauf seiner Karriere mehr als 600 Lieder geschrieben - und keine Angst vor Wiederholung: Klaus Hoffmann. - © Malene
Hat im Lauf seiner Karriere mehr als 600 Lieder geschrieben - und keine Angst vor Wiederholung: Klaus Hoffmann. - © Malene

Die Mär vom armen Poeten pflegt Klaus Hoffmann zwar nicht - und doch ist der Besucher überrascht, der sein Büro in einem ebenso imposanten wie edlen Jugendstilhaus auf Berlins Flaniermeile Kurfürstendamm betritt. Ein "großes Geschenk" der kunstsinnigen Eigentümerin seien diese beiden gemieteten Räume im Obergeschoß, beeilt sich Deutschlands bester Chansonnier zu erklären: Schließlich ist der 68-Jährige eher ein Sänger, der auf Dezenz setzt, ein Autor und Schauspieler der leisen Töne. So wie auf seinem aktuellen Album "Aquamarin", dessen melancholische und romantische Lieder der Berliner am 23. Oktober mit seinem Pianisten Hawo Bleich im Wiener Theater Akzent präsentiert. Ein Gespräch über Pathos, Poesie und PR-Texte.

"Wiener Zeitung":PR-Texte schlagen gern große Töne an - auch der Ihrige macht da keine Ausnahme, wenn es heißt, Sie seien mit Ihrem aktuellen Album wie mit keinem zuvor bei sich angekommen. Wann ist der Mensch bei sich angekommen?

Klaus Hoffmann: Wenn er diesen Satz wie eine Antithese nimmt, sie dreimal in die Luft wirft und sagt: Niemals, die Reise geht weiter. Es ist einfach Quatsch. Ich hätte das Album auch Amarcord betiteln können: Das heißt in einem italienischen Dialekt "Ich erinnere mich", und mit eben diesem Gedanken beschäftige ich mich schon die letzten drei Alben - so gesehen ist da jetzt etwas angekommen. Aber ich gehe natürlich hoffentlich weiter. Doch das Ankommen ist ein Ideal, ein romantisches Bild - den Aquamarin kannst du jetzt auch in die Luft werfen und gehst weiter . . . was haben Sie eigentlich gefragt?

Wann kommt Klaus Hoffmann bei sich an?

Ich habe einmal ein Lied gemacht, das "Zeit zu leben" heißt und für das ich die Zeilen eines Mauer-Graffitis aufgenommen habe: "Halt es fest, sagt der Kopf - lass es los, sagt das Herz." Nicht der Fall ist der Tod, dieses Verlieren und Loslassen - das Festhalten ist im Grunde der Sterbevorgang. Schwer zu verstehen für solch einen Festhalter wie mich. Insofern ist der Aquamarin vielleicht ein kindlicher Ausdruck, um einmal etwas anzustiften, das außerhalb der politischen Korrektheit und meiner sonstigen Hausordnung liegt.

Was Ihnen weiterhin wichtig scheint, ist das Pathos - passt es noch in unsere Zeit?

Nein, überhaupt nicht - aber es wird wiederkommen. Schauen Sie doch einmal in den deutschen Bundestag: Dort nutzen sie auf der rechten Seite das Pathos, um laut zu werden. Andererseits: Was ist Pathos eigentlich? Bei den Franzosen würdest du sagen, es gehört dazu, wenn Brel mit den Ohren gewackelt und sich im Grunde bis zur Karikatur vernichtet hat auf der Bühne - das nannten die dann sich selbst zu verbrennen. Im Gegensatz zu den langweiligen deutschen Liedern, die noch bis vor nicht allzu langer Zeit auf einer austauschbaren Tonspur liefen . . . Doch zum Glück gibt es jetzt wieder mehr, die pathetisch daherkommen.