Lukas Kranzelbinder ist der Bandleader der Stunde - und das eigentlich seit Jahren. 2016 hat der Kärntner Kontrabassist die Formation Shake Stew aus der Taufe gehoben und eilt damit von Erfolg zu Erfolg: Sein Septett sorgt bei den Jazzfestivals in Europa ebenso für Furore wie in Mexiko und Kanada, bekommt vom deutschen Feuilleton Rosen gestreut und bekräftigte seinen Rang zuletzt durch eine Zusammenarbeit mit dem britischen Saxofon-Star Shabaka Hutchings.

Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Die Musik von Shake Stew braucht keinen Entschlüsselungsexperten, sondern wirkt unmittelbar auf den Hörer - weil sie in ihren besten Momenten ein Hochamt der Berauschung ist. Derlei wird auch auf dem neuen Doppelalbum geboten. Magnetische Grooves, bald modaljazzig geprägt, bald nah an der nordafrikanischen Gnawa-Musik, werden von zwei Schlagzeugern und Kontrabassisten so lange wiederholt, bis sich die Riffs in einen Magmastrom zu verwandeln scheinen. Dazu stoßen drei Solobläser an die Decke der Intensität, wobei ihr Spiel zwischen langen Linien und freejazziger Wucht wechselt. Ergebnis ist ein Jazz, der das Modewort "immersiv" verdient; am druckvollsten nachzuhören am Beginn- und Endpunkt des neuen Albums.