Die Ausstellung ist im Stadtbild allgegenwärtig. Neben Transparenten, Plakaten und auf Pflastersteine gesprayten Hinweisen sind es auch die in die dänische Hauptstadt gepilgerten Jünger selbst, die mit Leonard-Cohen-Jutetaschen um die Schulter darauf hinweisen, dass heute ein Kirchgang ansteht. Immerhin macht die Ausstellung "A Crack In Everything" (bis 13. April 2020) in Kopenhagen ihren einzigen Europastopp. Und sie ermöglicht es an zwei mitten im Zentrum gelegenen Standorten, dem Meister noch einmal ganz nahe zu sein.

(Fast) alle Wege führen zu Leonard Cohen. - © Rauschal
(Fast) alle Wege führen zu Leonard Cohen. - © Rauschal

Ob der Straßenmusiker am Museumsvorplatz sein "Hallelujah" bewusst gewählt hat, oder ob es sich dabei nur zufällig um eine der täglich hundertfach in den Fußgängerzonen der Welt erklingenden Coverversionen handelt, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass das künstlerische Erbe des am 7. November 2016 verstorbenen großen kanadischen Songwriters Leonard Cohen derzeit nicht nur in Form von Hommagen weiterlebt.

Mit dem vor einem Jahr erschienenen, Gedichte und Zeichnungen vereinenden Band "The Flame" (Kiepenheuer & Witsch) liegt bereits ein gewichtiges postumes Lebenszeichen aus eigener Feder vor, das nicht im Verdacht der Resteverwertung steht. Außerdem deutet mit der einmal mehr Gänsehaut evozierenden Meditation "Happens To The Heart" derzeit auch die Auftaktsingle aus "Thanks For The Dance", dem in drei Wochen erhältlichen ersten und höchstwahrscheinlich letzten Studioalbum post mortem darauf hin, dass den finalen Aufnahmen Cohens in der Endproduktion seines Sohnes Adam mehr als würdevoll Rechnung getragen wurde.

In Kopenhagen wiederum versteckt sich hinter der Hommage "A Crack In Everything" glücklicherweise kein Spaziergang durch ein Memorabilienkabinett. Eingebettet in ein Rahmenprogramm, das etwa auch die Möglichkeit inkludiert, eventuell im Geiste des vormals spirituell heilsuchenden Songwriters oder zumindest im dänischen Hygge-Sinn in den Ausstellungsräumlichkeiten Yoga zu praktizieren, kommt es zu keiner Musealisierung in altbackener Form. Nicht der Zahnputzbecher des Sängers ist zu bestaunen, nicht seine private Hutsammlung ausgestellt. Stattdessen wurden zeitgenössische Kunstschaffende beauftragt, den Geist seines Werks und seiner Künstlerperson hauntologisch in eigenen Arbeiten einzufangen.

In der "Depression Chamber"

Konzipiert rund um den 375. Geburtstag von Leonard Cohens Heimatstadt und dort erstmals im Musée d’art contemporain de Montréal (MAC) unter Kuratorenschaft des Museumsdirektors John Zeppetelli und des Autors Victor Shiffman gezeigt, handelt es sich in Kopenhagen im Wesentlichen um die abgespeckte Ausstellungsvariante, wie sie zuletzt im Jüdischen Museum New York zu sehen war.