Das mit über 70 Seiten nicht ganz bescheiden ausgefallene CD-Booklet, an dessen Ende standesgemäß ein Zitat von keinem Geringeren als Hans Magnus Enzensberger steht, über das man frei nach der Sache mit der Politik als Kunst des Möglichen einmal genauer nachdenken müsste ("Uns einen Abglanz des Unmöglichen vor die Augen zu bringen, vielleicht ist das André Hellers Sendung"), legt es bereits nahe: Vermutlich wird es André Heller bei seiner Rückkehr als Liedermacher, Interpret und sprechsingender Poet nicht ganz so zurückhaltend anlegen wie die auf einem Song namens "Es gibt" erwähnte Berufsgruppe der - nicht nur im Vergleich zum Dichterfürstengewerbe - wirklich sehr stillen Kartäusermönche. Die sagen im Wesentlichen gar nichts, um in der Einsamkeit und im Schweigen zu Gott zu finden.

Zu Gott finden will André Heller aber eh nicht, weshalb gelernte Österreicher ihn außer als Schöpfer von Fantasiespektakeln, Kristallwelten und Magier in mannigfaltigen irdischen und metaphysischen Gärten auch als den Mann kennen, der regelmäßig von Kameras dabei festgehalten wird, wie er sich selbst gerne beim Reden zuhört - und die Leute davon überzeugt, dass das auch seine Richtigkeit hat.

Die Tradition, die Folklore, sicherlich auch der Gewöhnungseffekt, vielleicht die Zärtlichkeit im Umgang der Menschen mit dem Weltenlauf (und sich selbst) sind dabei hilfreich. Wobei man mitunter von der Tatsache abgelenkt wird, dass André Heller in seiner Karriere zumindest in einer Hinsicht verstummt ist. Er hat seine Laufbahn als Lyriker der Liedkunst und Sänger-Darsteller mit schönen Haaren nicht nur bereits in den 1980er Jahren beendet und seither - mit Ausnahme der neuen Songs und Neudeutungen auf "Ruf und Echo" von 2003 - die Albumproduktion komplett eingestellt. Er hat es nachfolgenden Generationen vor allem auch über die Reduktion seines musikalischen Schaffens auf lediglich zwei kritische Werkausgaben nicht ganz einfach gemacht, ihn als Sänger zu entdecken.

Liebesbekenntnis

Außer nicht zuletzt die gallig-bösen neuen Wienerlieder von 1979 ("Heurige und gestrige Lieder", gemeinsam mit Helmut Qualtinger, haaallooo!) sind aus dem Textdichtung, Kunstlied, Chanson und sogenannten Austropop vereinenden Œuvre am ehesten noch die Klassiker geblieben: "A Zigeina mecht i sein", "Wie mei Herzschlag", "Und dann bin i ka Liliputaner mehr" oder das Bob-Dylan-Cover "Für immer jung" mit Wolfgang Ambros.