"Now I bid you farewell, I don’t know when I’ll be back / They’re moving us tomorrow to that tower down the track / But you’ll be hearing from me baby, long after I’m gone / I’ll be speaking to you sweetly from a window in the Tower of Song."

Die Prophezeiung des Meisters aus dem Jahr 1988 bewahrheitet sich jetzt. Drei Jahre nach seinem Tod ist der große kanadische Songwriter Leonard Cohen tatsächlich wieder zur Stelle, um seine Existenz im "Tower of Song" noch aus dem Jenseits fortzuschreiben. Und sogar die im Jahr der Prophezeiung auf dem Album "I’m Your Man" in einer Zeit vor dem Mauerfall ("First we take Manhattan / Then we take Berlin . . .") vorweggenommene Vortragsweise erfüllt sich: Mit grubentiefem Bassbariton wird auf dem nun postum erscheinenden Album "Thanks For The Dance" (Sony Music) noch einmal sehr intensiv eher gesprochen als gesungen.

Leonard Cohen hat mit seinem Beitrag zu den neun neuen Songs unter erheblichem letztem Kraftaufwand versucht, einer Leukämieerkrankung zu trotzen. Die Texte sind nicht nur sein Testament und sein Erbe. Sie sind als popkulturelles Ausnahmeprojekt vom Krankenbett aus vor allem auch ein künstlerisch gewichtiges Dokument einer Reise ins Licht. In Bündelung diverser Kerncharakteristika um etwa ein Kunststück namens Demut aber heißt es gleich zu Beginn: "I was always working steady / But I never called it art."

Fans und Freunde dürfen sich insofern freuen, als "Thanks For The Dance" keine Resteverwertung im Zeichen des postmortalen Abverkaufes ist, sondern das genuine 15. Studioalbum des Songwriters, das die 2016 in Form des Vorgängers "You Want It Darker" eigentlich bereits kulminierte Reise unter musikalischer Regie von Sohnemann Adam Cohen konsequent fortsetzt. Gemeinsam mit zeitgenössischen Kontributoren wie Beck, Feist oder Bryce Dessner von The National, die sich zugunsten des Meisters aber im Hintergrund halten, sowie alten Weggefährten von Vater Cohen wie der Sängerin Jennifer Warnes wurde die Essenz eines Lebenswerks auf 29 letzte Spielminuten gebannt.

Die Arrangements sind minimalistisch und gerade im Mut zur Lücke sehr wirkungsvoll. Jedes Wort hat Gewicht, jeder Ton hat Bedeutung. Zu zart-endzeitlichen Streicherschlieren und vorsichtig aufgetragenem Klavier kündet mit "Happens To The Heart" ein ergreifender später Signature Song rückblickend nicht nur abermals von der spirituellen Sinnsuche eines jüdischen Zen-Buddhisten. Die Vertonung des gleichnamigen Gedichts aus dem ebenfalls post mortem erschienenen Band "The Flame" gibt mit dezenten Text-Abweichungen auch einmal mehr Aufschluss über die lebenslange Praxis des Editierens, Überarbeitens und Verwerfens. Oder wie es später auf dem Album über die längst überwundenen Schreibblockaden des Sängers noch heißen wird: "My page was too white / My ink was too thin / The day wouldn’t write / What the night penciled in."