Klar, bei einem österreichischen Fußballfan löst der Name "Faröer- Inseln" traumatische Erinnerungen aus. Bei einem Popfan dagegen eher traumhafte Assoziationen. Gleich zwei Acts von der nordatlantischen Inselgruppe sind dieses Jahr beim Blue Bird Festival im Wiener Porgy & Bess zu Gast. Einer davon, Eivør Pálsdóttir, ist sogar so etwas wie der Star am eröffnenden Donnerstag (28. 11.) Die 36-jährige Sängerin, Komponistin und Gitarristin vermengt Idiome ihrer Heimat mit sakralen Elementen, Jazz, Pop, Trip-Hop und gelegentlichen Rockanklängen. Das ist in bestimmten, inbrünstigen Momenten orientalischer Musik nicht völlig unähnlich, meist aber von erstaunlicher und bezaubernder Leichtigkeit.

Ihre Texte, die sie hauptsächlich in ihrer Muttersprache, daneben noch in Dänisch, Schwedisch, Isländisch und Englisch intoniert, befleißigen sich anschmiegsamer Sprachbilder, spielen mit Natur-Impressionen und bringen hin und wieder auch tanzende Elfen und Geisterwesen ins Spiel, die wir bei den Nordlichtern so lieben. Zwei weitere starke weibliche Stimmen ergänzen den ersten Abend. Eine davon kommt aus der Steiermark: Maria Thornton alias Liz Metta braucht für ihre intensive Soulstimme und existenziellen Balladen nicht mehr als ihre elegante, offenkundig vom Jazz-Feeling getriebene Gitarre. Sollten nach ihrem Auftritt im Rahmen des Blue Bird auf YouTube die Klickzahlen für ihre "Vienna Sessions" explodieren, wäre das nur würdig und recht.

Noch eine Frau mit Gitarre am Mikro: Die aus Frankreich stammende und in Berlin lebende Leïla Zanzibar huldigt mit ihrer Formation Highest Sea grosso modo dem Genre Dream Pop mit Schlagseite zu den großen Mazzy Star. Das Wiener Duo Downers & Milk, das sich grob an australischem Psycho-Blues à la Bad Seeds oder Once Upon A Time orientiert, ohne sich zu sehr einengen zu lassen, komplettiert den Premierenabend.

Alte Bekannte aus der Wüste von Arizona werden am Freitag vorstellig: Howe Gelbs Giant Sand sind bereits zum zweiten Mal beim Blue Bird zu Gast. Aktuelle Wegzehrung sind überarbeitete Neuauflagen der epochalen ersten beiden Giant-Sand-Alben "Valley Of Rain" und "Ballade Of A Thin Line Man". Noch einmal gibt es am Freitag Besuch von den Faröer-Inseln: mit dem (auch hauptsächlich Faröisch singenden) Songwriter und Gitarristen Benjamin Petersen und seinem vielseitigen, bisweilen an Psychedelic-Hardrock-Bands wie Spirit anstreifenden Trio Son Of Fortune.