Stimmt es, dass Sie Ihr ganzes Geld in die Produktion dieses Albums steckten?

Ja, bevor ich begann, sprach ich mit meinem Label. Sie gaben grünes Licht. Drei Tage später bekam ich einen Anruf: "Wir kündigen deinen Vertrag." Ich hatte einige Ersparnisse und sagte mir: Okay, ich zieh es durch. Mein ganzes Geld floss in dieses Album. Es kostete mich rund 40.000 Euro. Es war eine große Investition. Und ich sprach mit meiner Mutter darüber, ob ich das Risiko eingehen soll. Und sie meinte: Wenn du nicht an dich glaubst, wer soll dann an dich glauben. Die Musik ist gut, du wirst ein neues Label finden.

Hat Ihnen Ihr Soulsong "Running" geholfen, selber ruhiger zu werden?

Das hängt von der Tagesform ab. Dieser Song fiel Anthony und mir morgens um vier Uhr Früh ein. Ich meinte, manchmal erschaffen wir unser eigenes Chaos und wollen andere dafür verantwortlich machen. Was mir dagegen wirklich half, gelassener zu werden und meine Batterien wieder aufzuladen, ist, dass ich vor einigen Jahren angefangen habe, zu meditieren. Das war ein Rat von Angelique Kidjo, die ich auf einer Charity Gala mit Terence Blanchard und Dianne Reeves traf. Nach meinem Auftritt meinte sie, du verschwendest dich auf der Bühne, ähnlich wie ich. Du brauchst etwas, um dich wieder zu zentrieren, sonst machst du dich auf Dauer kaputt.

Ihr Tribute-Album "This One’s For Dinah" ist der großen Jazz- und Bluessängerin Dinah Washington gewidmet. Was mögen Sie an ihr am meisten?

Am bemerkenswertesten finde ich Dinahs Phrasierung, die Art, wie sie Jazzstandards zu Bluessongs macht. Was mir außerdem gefällt ist ihre unnachahmliche Artikulation. Sie spricht jede einzelne Silbe in einem Wort so aus, dass es sexy klingt. Doch inzwischen weiß ich, dass meine Stimme von Natur aus etwas rauer und rauchiger ist, und mein Gesang näher bei den Blues- und Soulsängerinnen wie Mavis Staples oder Betty Wright. Das zu erkennen hat eine Weile gedauert. Als ich das Album aufnahm, habe ich versucht, jazzy zu klingen, was sicher auch gut war.

Musikalisch ließ die "Queen of Blues" sich nicht bevormunden, ihr Lebensstil entsprach nicht den traditionellen Mustern. Glauben Sie, dass es heute einfacher ist für Jazzsängerinnen?

Dinahs Satz: "Ich habe die Männer verlassen, bevor sie es tun konnten", war einer der Gründe, warum sie von Mann zu Mann wanderte. Keiner konnte aushalten, dass sie das Geld verdiente. Sie fand niemanden auf Augenhöhe. Auch heute noch sind die wenigsten Männer klischeefrei erzogen. Sondern eher nach diesen Normen, was richtige Männer angeblich tun müssen. Und die Frauen sind nach wie vor für die Gefühle zuständig. Diese einschränkende Rollenteilung ist toxisch und verhindert, ein wahres Selbst zu entwickeln. Einige Dinge haben sich schon verändert. Mein Ex etwa unterstützte mich, damit ich den Schritt wage, beim Fernsehen aufzuhören und mich ganz auf meine Musik zu konzentrieren. Dafür muss ich ihm immer noch dankbar sein. Aber am Ende hatte er Probleme, in meiner Welt zu sein. Er hatte das Gefühl, ich ignoriere ihn. In meinen neuen Beziehungen versuche ich, klarzustellen, so bin ich, wenn du damit zurechtkommst, okay; wenn nicht, ciao ragazzo, pass auf dich auf. Aber Musik ist meine erste Liebe und wird es immer sein. Gleichzeitig muss ich sagen, bedauere ich, dass ich nicht den Mut hatte, ein Kind allein großzuziehen.