Es gibt Dinge, auf die man sich verlassen kann. Kreidler gehören dazu. Seit nunmehr 25 Jahren macht das aus Düsseldorf stammende Quartett eine elektronische Musik, die seltsam zeitlos und seltsam zwingend ist.

Hypnotisch fängt sie uns nun auch auf "Flood" wieder ein, und zwar von der ersten Sekunde von "Eurydike" an, dem Opener des mittlerweile 14. Studioalbums der Gruppe. Ein sanft rollender Beat, tiefgründiges Brummen der Bässe, geradezu wehklagende Synthesizer, wozu sich untergründige, begleitende Sounds gesellen, bis ein fünf Minuten langes Instrumental entsteht, das sanft ausläuft, aber noch gerne eine ganze Ewigkeit weitergehen könnte.

Damit ist das Fundament für ein Album gelegt, das die mechanische Kälte von Kraftwerk mit dem Maschinenfunk von Mouse on Mars zu einem groovenden Monster vereinigt, an dem innerhalb der Kreidler-Diskografie zwar nichts Neues oder Bahnbrechendes ist, das aber dennoch einen musikalischen Triumph darstellt, denn dergleichen versuchen viele, niemand aber schafft es so meisterlich wie diese Band. Das dritte Stück, "Nesindano", führt das Erreichte fort, addiert aber die Vocals von Nesindano
Namises, der in einer afrikanischen Sprache singt, sodass es hier mehr um Erweiterung der Soundpalette als um die Verfertigung eines konventionellen Popsongs geht.

Die gesamte zweite Hälfte des Albums ist der fünfteiligen Suite "Flood I-V" gewidmet, auf der Kreidler in Langform das ganze Spektrum ihres Klangkosmos ausschreiten. Atmosphärisch, elegisch, langsam und mit viel Hall beginnt das, und über die kurzen Stationen zwei und drei kommt immer mehr Fahrt in das Ganze. "Flood IV" ist dann schon ein veritables Schauspiel mehrschichtiger Perkussion, die in subtilen Schleifen überlagert wird.

Teil fünf schließlich fängt noch einmal gleichsam von null an und entwickelt aus dem Nichts eine wehmütige Musik, die wie traumwandlerisch nach nostalgischer Zukunftssehnsucht klingt. Kreidler also, wie wir sie kennen und lieben.